Insolvenzverfahren um Anton Schlecker könnte milde enden

Freitag, 03.11.2017

Seit März 2017 läuft das Insolvenzverfahren gegen den ehemaligen Drogeriemarkt-Unternehmer Anton Schlecker. Nun scheint sich ein relativ mildes Urteil gegen den Bankrotteur abzuzeichnen. Einen Freispruch für den 72-Jährigen dürfte es jedoch nicht geben.

Als Schlecker zum Jahresbeginn 2012 in die Insolvenz ging, verloren tausende Mitarbeiter ihren Job. Anton Schlecker wurde zugleich vorgeworfen, trotz oder angesichts der drohenden Pleite privat Geld abgezweigt zu haben. Insgesamt geht es um mehr als 25 Millionen Euro. Strittig sind dabei vor allem hohe Zahlungen an die Firma seiner beiden Kinder Meike und Lars, die in Stuttgart mit zu den Angeklagten zählen.

Bewegung im Prozess: Richter will Klagepunkte ausschließen

Der Vorsitzende Richter im Landgerichtsverfahren hat den Parteien nun vorgeschlagen, einige Anklagepunkte fallen zu lassen. Damit würde sich vor allem die strittige Summe erheblich reduzieren. Die Anklage muss diesem Vorschlag nicht zustimmen, hat dann aber schlechte Aussichten auf eine Verurteilung Schleckers in den fraglichen Punkten.

Wann war die drohende Insolvenz sichtbar?

Der richterliche Vorschlag basiert vor allem auf neuen Erkenntnissen zum zeitlichen Ablauf der Insolvenz. So war die Anklage zunächst davon ausgegangen, dass Schlecker schon Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit drohte. Die Verteidigung sieht diesen Zeitpunkt eher im April 2011. Tatsächlich hat inzwischen auch die Verteidigung ein späteres Datum eingeräumt. Die Rede ist dabei von Ende 2010.

Der Zeitpunkt der drohenden Insolvenz ist wichtig, weil Überweisungen erst danach eine strafrechtliche Relevanz hätten. Allerdings wird Schlecker auch vorgeworfen, für die beauftragten Arbeiten bei der Logistikfirma seiner Kinder überhöhte Preise gezahlt und damit das eigene Unternehmen geschädigt zu haben. Da die ohnehin hohen Stundensätze Agenturberichten zufolge im März 2011 noch einmal erhöht wurden, dürfte dieses Thema in Stuttgart auch weiterhin auf der Tagesordnung stehen.

Mit einem Urteil im Verfahren kann noch 2017 gerechnet werden.  

Frau in Drogeriemarkt

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