Hirntumor nur gefakt: Bloggerin zu hoher Geldstrafe verdonnert

Mittwoch, 29.11.2017

Belle Gibson hat sie alle genarrt: Millionen Follower in den sozialen Netzwerken, die Nutzer ihrer prämierten App, die Käufer ihres Kochbuch-Bestsellers. Mit einer erfundenen Krebserkrankung und deren wundersamen Heilung brachte es die australische Bloggerin erst zur Berühmtheit und dann zum Wohlstand. Nun wurde sie vom Gericht zu einer Geldstrafe von 275.000 Euro verurteilt. 

Was macht den langjährigen Erfolg der Hochstaplerin Belle Gibson aus? Die Fähigkeit, den Menschen skrupellos eine Geschichte zu präsentieren, die sie gerne hören möchten:

Das angebliche Leiden von Belle Gibson

Eine junge Frau und Mutter erkrankt an einem Hirntumor. Krebs im Endstadium, nur noch wenige Monate zu leben. Doch dann folgt das Happy End. Dank Sauerstoff-Inhalation, richtiger Ernährung und Ayurveda besiegt die Totgeweihte den übermächtigen Feind. So auferstanden ist sie nun bereit, auch anderen selbstlos zu helfen. Neue Hoffnung für Krebskranke in aller Welt.

Krebs hatte Belle Gibson nie, Fantasie und Geschick jedoch im Überfluss. Ihre App „The Whole Pantry“ („Die ganze Speisekammer“) wurde von Apple zur Food-App des Jahres 2013 gewählt. Die „Elle“ kürte die Unternehmerin mit der eindrucksvollen Historie 2014 zur „inspirierendsten Frau des Jahres“. Erfinderisch war sie allemal. 

275.000 Euro für eine lohnende Lüge

Mit der verhängten Geldstrafe von umgerechnet rund 275.000 Euro kommt die verurteilte Bloggerin wahrscheinlich noch glimpflich davon. Mit ihren Lügen dürfte sie Millionen verdient haben, ohne diese wohl keinen Cent. Besonders verwerflich, so eine Abstufung möglich ist, sind dabei die vermeintlichen Spenden. Belle Gibson hatte stets behauptet, ein großer Teil ihrer Einnahmen aus App- und Buchverkäufen fließe wohltätigen Zwecken zu. Letztlich gespendet hatte sie jedoch nur einen Bruchteil von weniger als drei Prozent.

In ihrer Urteilsbegründung stellt die Richterin fest, Gibson habe die Verbraucher zweifelsfrei getäuscht und sich persönlich bereichert. Ob ihre Krebs-Story (auch) von Wahnvorstellungen getrieben oder ein reines Business-Modell sei, lasse sich heute nicht mehr feststellen. Wäre dies der Fall gewesen, dürfte das Urteil noch härter ausgefallen sein.      

Bloggerin bei Aufnahme

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