Hochstapler gibt sich als Arzt aus: 2 Jahre 10 Monate Haft

Montag, 27.10.2014 BJ

Die Nachricht sorgte in Hannover für Entsetzen und Unverständnis: Ein Hochstapler gab sich ohne jegliche Ausbildung als Arzt aus und behandelte unbemerkt todkranke Kinder. Doch die Sache flog auf und der Mann landete vor Gericht.

Der 31-jähriger Mann hatte sich mithilfe gefälschter Urkunden und den erfundenen Titeln „Dr. med. univ. Mag. Psych.“ als Arzt niedergelassen.  Doch in Wirklichkeit hatte der Hochstapler noch nicht einmal einen Realschulabschluss vorzuweisen. Eins seiner ersten Opfer war seine junge Mitbewohnerin, der er eine Magensonde legte und versuchsweise Orangensaft einflößte. So wollte er schon einmal „üben“. Doch damit nicht genug: Er gründete in Hannover einen Kinderhospiz-Verein, wo er etliche Familien mit ihren todkranken Kindern als Fachmann für Palliativmedizin „betreute“. Dort spritzte er unter anderem einem schwerkranken Jungen ein Notfallmedikament.

Geständnis im antrainierten Schweizer Dialekt

Der Angeklagte habe ein hohes Manipulationstalent, meinte die vorsitzende Richterin, nachdem der falsche Arzt sein Geständnis in offensichtlich eingeübtem Schweizer Dialekt ablegte. Das Gericht verurteilte den rücksichtslosen Mann wegen Körperverletzung, Titelmissbrauchs, Urkundenfälschung und weiteren Verstößen zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 10 Monaten Haft. Warum die Richterin dem Mann, den sie selbst als „selbstbezogen, rücksichtslos und aggressiv“ einstufte, am Ende empfahl, eine Therapie und eine Ausbildung im medizinischen Bereich zu beginnen, entzieht sich unserem Wissen. Doch der Satz: „Sie können Menschen gewinnen. Nutzen Sie das“, macht uns Angst. 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Hannover Urt. v. 01.07.2014

§§ 132a, 223, 224, 267 StGB

Mädchen im Pullover

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