Eine spannende Frage: Kann man mit dem Handy einen Mord begehen?

Donnerstag, 19.11.2015 PK

So abwegig es zunächst klingt: Tatsächlich wird einer 19-jährigen Autofahrerin der Vorwurf des versuchten Mordes gemacht, weil sie während der Fahrt eine Nachricht über WhatsApp getippt hat. An sich ein Ordnungswidrigkeit – hier aber mit den denkbar schlimmsten Folgen: Ein Radfahrer kam deshalb zu Tode.

Jeder beobachtet es täglich: Autofahrer, die Emails auf dem Smartphone abrufen, telefonieren oder Messages posten. Alles verboten! Aus gutem Grund: Denn wer während der Fahrt abgelenkt ist, steuert im Prinzip wie ein Volltrunkener. Die Benutzung des Handys während der Fahrt provoziert die gleiche Unfallgefahr wie jene Fahrer, die sich mit 1,0 Promille hinters Steuer setzen - beide Spezies fallen durch unkoordinierte Lenkbewegungen, abrupte Bremsmanöver sowie das Überfahren von roten Ampeln auf. Eine Studie der Universität Toronto belegt, dass das Unfallrisiko dabei um 400(!) Prozent steigt…

Einer tot, der andere beinahe invalid

Bei der 19-jährigen verwirklichte sich das Risiko auf dramatische Weise: Sie rammte, abgelenkt durch ihre WhatsApp-Tipperei, mit ihrem Opel Astra am 17. August 2014 zwei Rennradfahrer von der Straße. Einer starb noch im Rettungshubschrauber, der andere konnte, der Kunst der Chirurgen sei Dank, gerade noch vor einer Querschnittslähmung bewahrt werden. 

Nicht einmal Hilfe hat sie geholt

Die Staatsanwaltschaft wertet das als „Mord durch Unterlassung“, weil die Angeklagte wegen der Handynutzung ihre Umwelt für 9 lange Sekunden komplett ausgeblendet hatte. Aber nicht nur das: Nach der Kollision und trotz eines defekten Vorderreifens fuhr die Täterin mit gerissener Windschutzscheibe noch 3,5 Kilometer weiter. Und selbst dann hatte sie nichts Besseres zu tun, als mit ihrer Schwester zu telefonieren, anstatt Polizei und Rettungskräfte zu alarmieren.

Was ist hier die gerechte Strafe?

Und weil sie weitergefahren sei, liege eine Verdeckungsabsicht vor, zumal sie ja wusste, dass bereits das bloße Halten des Handys im Auto eine Ordnungswidrigkeit ist. Das geforderte Strafmaß: drei Jahre Jugendstrafe ohne Bewährung und ein weiteres Fahrverbot. Warten wir ab, wie sich das Gericht entscheiden wird – der Verteidiger der jungen Angeklagten hat seinerseits für eine Strafe von unter zwei Jahren plädiert, von einer Bewährung hat allerdings auch er nichts gesagt...

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Mord § 211 StGB

Begehung durch Unterlassung § 2 StGB

Fahrlässige Tötung § 222 StGB

Junge Autofahrerin mit Handy

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