52 Jahre Haft für Doppelmörder - Und kein Ende in Sicht

Montag, 06.10.2014 BJ

Nach 52 Jahren Haft wurde die Haftbeschwerde des 77-jährigen Häftlings Hans-Georg N. vom Oberlandesgericht Karlsruhe abgelehnt. Der Mann hatte im Jahre 1963 ein Liebespaar in Berlin auf brutalste Art und Weise ermordet.

Nach Ansicht des Oberlandesgerichts Karlsruhe ist der Häftling trotz seines Alters besonders vital und agil. In einem psychiatrischen Gutachten wird dem Mann außerdem eine problematische Persönlichkeitsstruktur bescheinigt, die befürchten lässt, dass N. nach seiner Entlassung erneut straffällig werden würde. Die Begehung schwerer Gewaltdelikte oder sonstiger schwerwiegender Straftaten sei deshalb nicht nur „nicht auszuschließen, sondern eher zu erwarten“. 

Nicht wirklich der Traum aller Schwiegermütter

Außerdem ist N. kein wirklicher Vorzeigehäftling. Selbst im Gefängnis ist er in kriminelle Bandenstrukturen eingebunden, sodass im Falle seiner Entlassung zu befürchten ist, dass er seine Kontakte nutzt und ins Milieu abdriften wird. Erschwerend kommt hinzu, dass N. über keinerlei tragfähige und stabilisierende soziale Kontakte verfügt.

Ziemlich zynisch?

Der Strafsenat des OLG Karlsruhe wies in seiner rechtskräftigen Entscheidung jedoch darauf hin, dass eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis in Zukunft nicht völlig ausgeschlossen sei. Dies wäre z.B. denkbar, wenn sich der „gesundheitliche Zustand von N. erheblich verändern würde. Allerdings müsse dann sichergestellt sein, dass sich N. bis zu seinem Ableben in einem Umfeld aufhalte, welches eine durchgehende Beobachtung und dauerhafte Betreuung gewährleiste“. Also wenn, dann nur Freiheit vierter Klasse und todgeweiht.

Zynisch? Beruhigend? Darüber könnte man jetzt trefflich streiten.

Textbezogene Paragraphen / Urteile: 

§§ 118, 304, 306, 310 StPO

Gefängnis

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