Gleichberechtigung einmal anders herum: Pilot klagt gegen „Mützenpflicht“

Samstag, 20.08.2016 BJ

Weil sich ein Pilot aus Nordrhein-Westfalen weigerte, wegen seiner Gel-Frisur die obligatorische Cockpit-Mütze aufzusetzen, kam es zum Zerwürfnis mit seinem Arbeitgeber. Und der „Mützenstreit“ ging bis zum Bundesarbeitsgericht…

Der Gleichberechtigungsgedanke macht auch vor der Kopfbedeckung nicht halt: Der Pilot empfand es als ungerecht, dass er wegen einer Betriebsvereinbarung verpflichtet war, in bestimmten Flughafenbereichen eine Uniformmütze zu tragen. Pilotinnen hätten es da viel besser - diese dürften Mützen als reines „Accessoire“ tragen, Pflicht sei dies aber keine.

Wie sieht der typische Pilot aus?

Vor Gericht argumentierte die Fluggesellschaft, dass dies durch die Tradition gerechtfertigt sei: Die Fluggäste müssten Piloten deutlich erkennen, dabei gehöre die Cockpit-Mütze einfach dazu. Bei Frauen sei dies anders – wegen der „Damenlanghaarfrisuren“.

Wer hat die Haare schön?

Die Richter mussten sich darauf wohl oder übel mit der Frisurproblematik auseinander setzen und kamen zu folgendem Ergebnis: „Auch Männern mit Gel im Haar kann das Aufsetzen der Mütze Probleme bereiten. Deshalb stelle es eine Ungleichbehandlung dar, wenn Männer eine solche zwingend tragen müssten…“ Übersehen könne man die Bediensteten im Übrigen auch ohne Mütze nicht – schließlich gäbe es dafür noch die einheitliche Dienstkleidung, welche das Cockpitpersonal als solches erkennbar mache.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bundesarbeitsgericht Urt. v. 30.09.2014, Az. 1 AZR 1083/12

§§ 1 ff. AGG

Hund mit Pilotenmütze

Weitere Artikel

Kommentare