Germanwings-Flug 4U9525: Hinterbliebene wollen vor US-Gericht klagen

Montag, 20.04.2015 PK

Die Trauerfeier für die 150 Absturzopfer ist kaum verklungen. Nun tritt der Fall „Germanwings“ in seine letzte Phase ein: die Entschädigung der Hinterbliebenen. Und die Lufthansa kann sich warm anziehen.

Die Schuldfrage scheint geklärt zu sein: Der Co-Pilot hat die Maschine absichtlich in den französischen Alpen zum Absturz gebracht. Und weil die Lufthansa, Muttergesellschaft von Germanwings, verantwortlich für die Auswahl ihres eingesetzten Personals ist, dürfte jetzt eine enorme Entschädigungsforderung auf sie zukommen. Denn der Anwalt der Hinterbliebenen, Elmar Giemulla (er vertritt nach eigenen Angaben die Familien von über 20 Opfern), plant eine Klage vor US-Gerichten, sollte die Lufthansa nicht freiwillig genug Entschädigungen zahlen.

Können Deutsche in Amerika klagen?

Wie das geht: Da unter den Todesopfern auch US-Bürger waren, hat sich die dortige Justiz ohnehin mit dem Fall zu befassen. Und die Richter können durchaus auch ausländische Kläger in den Vereinigten Staaten zulassen – vor allem, wenn die „Abweichungen in der Rechtsordnung“ groß sind, das heißt, wenn in unterschiedlichen Länder extrem unterschiedlich geurteilt wird. Und das ist hier der Fall: In den USA können nämlich Zahlungen von ein bis eineinhalb Millionen Euro pro Passagier erstritten werden. Das ist in Deutschland undenkbar. 

Eine Besonderheit des Systems 

Grund dafür ist die in USA gebräuchliche Rechtskonstruktion des „emotionalen Schadensersatzes“, die es hierzulande nicht gibt. Und die Hinterbliebenen der deutschen Opfer haben allen Grund, auf die Zulassung eines US-Gerichts zu hoffen: Die Lufthansa hat nämlich angeblich noch nicht alle zugesagten Entschädigungen gezahlt. So soll z.B. die Familie des beim Absturz umgekommenen Opernsängers Oleg Bryjak (gehörte zum Ensemble der Deutschen Oper am Rhein) noch keinen Cent der versprochenen Soforthilfe erhalten – fast vier Wochen nach dem Vorfall.

Vom Staat im Stich gelassen

Enttäuscht äußerte sich einer der Söhne des Opernsängers auch über Kanzlerin Merkel. Nach der Trauerfeier im Kölner Dom habe er sie angesprochen: „Es wäre vielen Angehörigen wichtig gewesen, wenn Sie in Frankreich bei den Familien gewesen wären.“ Angela Merkel soll darauf lediglich geantwortet haben, sie wolle es nächstes Mal besser machen. Wir hoffen inständig, dass es kein nächstes Mal gibt.

Gerichtssaal USA

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