7.200 € Geldstrafe wegen heimlich vertauschter Graburnen

Mittwoch, 01.10.2014 BJ

Der Tod eines geliebten Menschen ist für die Angehörigen meist schlimm genug. Viele Dinge müssen plötzlich geregelt werden. Doch was passiert, wenn der Bestatter „schlampert“ und die Hinterbliebenen schließlich bei der Trauerfeier feststellen müssen, dass die Urnen heimlich vertauscht wurden?

Bei der Beisetzung fiel der trauernden Familie auf, dass eine andere Graburne beigesetzt wurde als jene, die zuvor ausgewählt worden war. Statt einer silbernen Urne mit Röschen wurde eine Urne mit ägyptischem Muster bestattet. Im Rahmen einer anschließenden Exhumierung flog der Fehler auf.

Pietätlose Schlamperei

In der Hauptverhandlung erklärte der Bestatter, dass sich die Etiketten nicht durch ihn, sondern durch die Hitzeeinwirkung im Auto bei sommerlichen Temperaturen gelöst hätten. Allein dadurch sei die Verwechslung entstanden. Diese Einlassung wurde jedoch von einem beauftragten Gutachter widerlegt, der diese Möglichkeit ausschloss. Der Gutachter testete die Spezialetiketten bei Temperaturen bis zu 120 Grad und konnte keine Ablösungen feststellen.

Amtsgericht Blomberg: 7.200 € Geldstrafe 

Bis zum Schluss blieb aber die Frage offen, weshalb der Bestatter die Etiketten von den Gefäßen entfernt hatte. Das Amtsgericht Blomberg verurteilte den Bestatter zu einer Gesamtgeldstrafe von 90 Tagessätzen à 80 €, also insgesamt 7.200 € wegen Urkundenunterdrückung und Störung der Totenruhe. Das Gericht folgte damit nicht dem Antrag der Ankläger, welche eine Geldstrafe in Höhe von insgesamt 12.000 € gefordert hatten.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da noch Rechtsmittel eingelegt werden können.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

vgl. Amtsgericht Blomberg, Urt. vom 14.04.2014

§§ 168, 274 StGB

Friedhof, Tot, Erbe,

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