Für Mama ist die Studenten-WG tabu

Freitag, 11.03.2016 DOD

Überlegt Euch lieber gut, ob Ihr Eure Mutter in Eure Studentenbude lasst - denn manchmal wird man sie danach einfach nicht mehr los…

Die Frau sollte sich während des Urlaubs ihres damals 26 Jahre alten Sohnes um seine Katzen und ein Meerschweinchen in dessen Studenten-WG kümmern. Doch offenbar gefiel es ihr in der Wohnung so gut, dass sie dort gleich eingezog. Das passte dem 29 Jahre alten Mitbewohner jedoch gar nicht. Er forderte deshalb die Frau auf, wieder auszuziehen, und als die nicht freiwillig ging, alarmierte er die Polizei. 

Mutter wehrt sich, Polizei greift ein

Bei dem anschließenden Einsatz der Polizisten zog sich die Frau nach deren eigenen Angaben Prellungen und Blutergüsse zu, da sie sich heftig wehrte, als die Beamten sie auf die Straße setzen wollten. Dafür verlangte sie vom Land später ein Schmerzensgeld von 1.200 Euro. 

Das Einquartieren ist Hausfriedensbruch

Doch damit  scheiterte die Frau vor dem Oberlandesgericht Hamm, das Gericht wies ihre Klage ab. Die Begründung: Eine Studenten-WG sei „auf das Zusammenleben normalerweise jüngerer Erwachsener in einer vergleichbaren Lebenssituation ausgerichtet“, so die Richter. „Der dauerhafte Aufenthalt von Angehörigen einer anderen Generation in den Gemeinschaftsräumen sei deshalb einer Wohngemeinschaft fremd. Zudem suchten die Mitglieder einer WG neue Mitbewohner aus. Das lasse es nicht zu, einen Mitbewohner durch seine Mutter, und sei es auch nur über einige Tage, auszutauschen…“. Und da sich die Frau geweigert hatte, die Wohnung zu verlassen, hätten die Polizisten „unmittelbaren Zwang“ anwenden dürfen, um den Platzverweis gegen sie und das Hausrecht des WG-Bewohners durchzusetzen, da die Mutter durch ihren Einzug Hausfriedensbruch begangen hatte.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht (OLG) Hamm, Urteil vom 22. Januar 2016, Aktenzeichen: 11 U 67/15

Frau mit Nudelholz

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