Pappnasen vor Gericht: Urteile zur fünften Jahreszeit

Samstag, 31.01.2015 PK

Ob Sie nun Fasching oder Karneval sagen: Die verrückte fünfte Jahreszeit hat gelegentlich ein juristisches Nachspiel. Aber lassen Sie sich davon bloß nicht den Spaß verderben…Helau aus der Richterbütt!

Gefährliches Parken am Rosenmontag

In Mainz, Düsseldorf, Köln und anderen Karnevalshochburgen sollte man nicht falsch parken. Jedenfalls am Rosenmontag nicht. Denn wo die Umzüge vorbei kommen wird rigoros abgeschleppt. Selbst Schwerbehinderte müssen damit rechnen, dass ihr Wagen kostenpflichtig entfernt wird (Verwaltungsgericht Koblenz: 4 K 536/09.KO).

Lärm muss man aushalten

Beschweren nützt gar nichts, selbst wenn die sonst vorgeschriebenen Ruhezeiten ab 22 Uhr nicht eingehalten werden. Und Gastwirte müssen grölende Gäste nicht zur Ordnung rufen oder sie aus der Kneipe werfen (Amtsgericht Köln:532 Owi 183/96 (36 Js 1286/96)).

Schlüpfrig und nass

Wer im Gedränge auf einem verschütteten Getränk ausrutscht, ist selbst Schuld. Den Veranstalter haftbar zu machen, ist jedenfalls zwecklos (Oberlandesgericht Köln: 19 U 7/02).

Volle Deckung bei Kamelle-Kanonen

Wer beim Abfeuern einer Kamellenkanone ein Knalltrauma erleidet, bleibt auf seinem Schaden sitzen. Der Veranstalter haftet nicht (Landgericht Trier: 1 S 18/01).

Zucker ist schlecht für die Zähne

Vor allem, wenn das Naschwerk mit Schwung geworfen wird. Das kann dann schon mal einen Schneidezahn kosten. Doch auch hier trifft den Veranstalter kein Verschulden (Landgericht Trier: 1 S 150/94). 

Augen zu und durch

Genauso wurde in einem Fall entschieden, als ein Frau von einem umherfliegenden Stück Schokolade am Auge getroffen wurde und dafür 1500 Euro Schmerzensgeld wollte (Amtsgericht Köln: 123 C 254/10).

Vorsicht, große Räder

Umzugsbesucher, die den Wagen so nahe kommen, dass sie unter die Räder geraten, haben vor Gericht ebenfalls keine Chance.  Sofern nicht bewiesen werden kann, dass  der Veranstalter seine Verkehrssicherungspflicht vernachlässigt hat, gibt’s keinen Schadensersatz (Oberlandesgericht Koblenz: 3 U 985/13).

Ausgeflippte Weiber im Büro

Am Donnerstag vor Rosenmontag ist Weiberfasnacht. Und der Brauch will es wohl so, dass Männern die Krawatten abgeschnitten werden. Das kann aber bei einigen Spielverderbern schiefgehen und zu einer Schadensersatzforderung führen (Amtsgericht Essen: 20 C 691/87).

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Verwaltungsgericht Koblenz: 4 K 536/09.KO, Amtsgericht Köln:532 Owi 183/96 (36 Js 1286/96), Oberlandesgericht Köln: 19 U 7/02, Landgericht Trier: 1 S 18/01, Landgericht Trier: 1 S 150/94, Amtsgericht Köln: 123 C 254/10, Oberlandesgericht Koblenz: 3 U 985/13, Amtsgericht Essen: 20 C 691/87

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