Muss ich mit triefender Nase zur Arbeit?

Montag, 30.11.2015 PK

Erkältungszeit! Alle Welt schnieft, keucht und fiebert. Und wer erst einmal zum Bakterien-Mutterschiff geworden ist, trägt die Erreger natürlich mit an seinen Arbeitsplatz. Wären da nicht ein oder zwei Tage Auszeit angesagt? Ganz bestimmt sogar – doch dazu muss man ein paar Regeln aus dem Arbeitsrecht beherzigen...

Da stimmen bestimmt die meisten zu: Bevor man den halben Betrieb mit seiner Erkältung infiziert, sollte man lieber ein paar Tage zu Hause bleiben. Doch auch wenn nicht jede verstopfte Nase gleich strenge Bettruhe erfordert – eine Krankmeldung ist dennoch unabdingbar. Und die muss selbstverständlich sofort, das heißt morgens vor Arbeitsbeginn, telefonisch beim Chef eingehen. Denn ohne diesen kurzen Bescheid kann keine Firmenleitung vernünftig planen – daher muss der Chef auch sofort wissen, wie lange der betreffende Mitarbeiter voraussichtlich ausfällt.

Attest erst nach dem dritten Tag?

Dass man ohne ärztliche Krankschreibung drei Tage blau machen darf, ist ein Märchen, das sich hartnäckig hält. Tatsache ist: Jeder Betrieb regelt das unterschiedlich. So darf der Arbeitgeber also durchaus die Vorlage des Attestes ohne besonderen Anlass schon für den ersten Krankheitstag verlangen, wenn es keine anders lautenden Betriebsvereinbarungen oder Verträge gibt - das beschloss bereits das Bundesarbeitsgericht. Nur wenn keine Regelung getroffen wurde, gilt die Vorlagefrist aus dem sogenannten „Entgeltfortzahlungsgesetz“. Und die endet dann tatsächlich erst am vierten Krankheitstag.

Vorsicht: Das kann teuer werden!

Krankfeiern ohne Attest ist keine gute Idee. Wer gar nicht erst zum Arzt geht, muss nämlich damit rechnen, dass der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung vorübergehend einstellt. Im Klartext: keine Arbeit, kein Geld! Selbstverständlich droht in solchen Fällen auch eine Abmahnung – und im Wiederholungsfall schließlich die Kündigung.

Nicht den Versicherungsschutz riskieren!

Und noch ein Irrtum, den es hier zu klären gilt: Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt ist kein Arbeitsverbot. Wer sich also schneller wieder aufrappelt als vorher angenommen, darf sich wieder an seinem Arbeitsplatz einfinden. Eine offizielle Gesundschreibung vom Arzt ist allerdings immer dann zu empfehlen, wenn der Job mit besonderen Gefahren verbunden ist. Ganz wichtig: Wenn Sie wieder arbeiten wollen, obwohl die ärztliche Krankschreibung noch läuft, sollten Sie Ihrem Chef diese Absicht ankündigen. Denn nur wenn er von Ihrem Einsatz weiß, sind Sie auf dem Weg in die Firma auch gesetzlich unfallversichert.  

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bundesarbeitsgericht – 5 AZR 886/11

§ 7 EntgFG

Junge Frau mit Erkältung

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