Verrohte Gesellschaft: Jetzt geht es Gaffern endlich an den Kragen

Sonntag, 12.04.2015 PK

Ein Unfall auf der A1 in der Nähe von Bergkamen. Polizisten sind mit der Unfallaufnahme beschäftigt, sperren auch auf der Gegenfahrbahn die linke Spur, um Beweise zu sichern. Doch einige Autofahrer bremsen so stark ab, dass andere fast hintendrauf krachen und kurbeln sogar extra die Fenster herunter, damit ihre Videoaufnahmen mit dem Smartphone besser gelingen…

Statt zu helfen oder wenigstens den Weg schnell für Rettungskräfte freizumachen, betätigen sich viele Autofahrer als Hobbyfilmer. Wir berichteten bereits über solch einen Fall („Da schämt man sich, ein Mensch zu sein“). Jetzt macht die Polizei Jagd auf die Gaffer…

Bisher nur „harmlose“ Tatbestände

Gaffer bekommen demnächst teure Post. Denn die Polizei hat angefangen, sich die Kennzeichen zu notieren. Mindestens 80 Euro und einen Punkt kostet diese gefährliche Aktion. Ein schwacher Trost. Denn dummerweise sieht der Bußgeldkatalog momentan nur zwei Verstöße vor, die die Polizei hier ahnden kann: "Handybenutzung" (60 Euro) und "absichtliches Langsamfahren" (20 Euro).

Wenn Gaffer die Unfallursache sind

Die Autobahnpolizei will aber prüfen, ob weitere Tatbestände infrage kommen. Künftig soll konsequent gegen solch unverantwortliches Verhalten vorgegangen werden. Aus Sicht der Polizei wird das höchste Zeit. Immerhin waren im Februar 2014 auf der A1 Gaffer schuld an einem Unfall, der sich ohne ihre Sensationsgier gar nicht zugetragen hätte.

Erste Stimmen für härtere Strafen

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft in Nordrhein-Westfalen, Erich Rettinghaus, fordert deshalb, dass „Gaffen bei Unfällen“ zu einem eigenen Straftatbestand werden soll. Unterstützung erfährt diese Forderung durch den CDU-Rechtsexperten Peter Biesenbach, der das wachsende „Gaffer-Phänomen“ auf eine zunehmende Verrohung unserer Gesellschaft zurückführt. Hoffen wir, dass dieses Gesetz kommt. Zeit wär’s.

Autounfall

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