Ehemaliger KZ-Wachmann bekommt 5.350 € Haftentschädigung für 200 Tage im Krankenhausbett

Dienstag, 07.10.2014 BJ

Der 94-jährige Hans Lipschis war von der Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 10.000 Menschen im Vernichtungslager Ausschwitz angeklagt worden. Anfang Mai des Jahres 2013 kam der gebürtige Litauer in Untersuchungshaft, die er im Gefängniskrankenhaus in Asperg verbrachte. Doch es kam nie zu einem Prozess, und nun erhält Lipschis 5.350 € Haftentschädigung.

Lipschis wurde vorgeworfen, in den Jahren zwischen 1941 und 1943 an mehreren NS-Vernichtungsaktionen gegen Juden in Auschwitz beteiligt gewesen zu sein, und bei über 10.000 grausam und heimtückisch begangenen Morden Hilfe geleistet zu haben. Der Angehörige des SS-Totenkopf-Sturmbanns sei im Vernichtungslager bei den berüchtigten Selektionen eingesetzt worden, und konkret warf man ihm Mord in 12 Fällen vor.

Verhandlungsunfähig wegen Demenzkrankheit

Anfang Dezember 2013 wurde Hans Lipschis wegen nachweisbarer Demenz aus der Untersuchungshaft entlassen. Das Landgericht Ellwangen lehnte schließlich die Eröffnung des Hauptverfahrens wegen Verhandlungsunfähigkeit ab. Nach Rücknahme der Beschwerden der Nebenkläger teilte das Oberlandesgericht Stuttgart mit, dass sich das Verfahren gegen Lipschis damit erledigt habe.

Haftentschädigung für 200 Tage Haft im Krankenhausbett

Nun steht nach Auskunft des Justizministeriums Stuttgart dem früheren KZ-Aufseher eine Haftentschädigung in Höhe von 25 € pro Hafttag zu. Dies entspricht bei der Haftdauer von etwa acht Monaten einem Geldbetrag in Höhe von ca. 5.350 €.

Textbezogene Paragraphen / Urteile: 

§ 7 Abs. 3 StrEG

Krankenhausgang mit Betten

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