Keiner will Kinderschänder als Kollege haben

Montag, 20.07.2015 DOD

Kinderschänder im Gefängnis wissen wahrscheinlich, wie die Hölle auf Erden aussieht. Denn Häftlinge, die Kinder sexuell missbraucht haben, stehen dort auf der untersten Hierarchiestufe. Doch später in Freiheit geht es ihnen danach oft auch nicht viel besser. So legten Mitarbeiter eines Hafenunternehmens die Arbeit nieder, als bekannt wurde, wer der neue Kollege ist…

Wenn Marcel B. zum Containerterminal in Bremerhaven kam um zu arbeiten, würdigten ihn die Kollegen keines Blickes. Denn Marcel B. ist ein vorbestrafter Kinderschänder - und alle wussten davon.

Keiner wollte mit ihm zusammen arbeiten

Die Abneigung gegenüber dem rechtskräftig verurteilten Hafenarbeiter wurde immer größer. Und schließlich eskalierte die Situation, als die rund 300 Mitarbeiter aus Protest – denn niemand wollte mit Marcel B. zusammenarbeiten  - die Arbeit niederlegten.

Arbeitsgericht verbot Kündigung

Zuvor hatte das Hafenunternehmen bereits zweimal vergeblich versucht, Marcel B. zu kündigen, nachdem seine Geschichte öffentlich wurde. Doch das Arbeitsgericht hob die Kündigungen jeweils wieder auf. Das Unternehmen musste den Kinderschänder darauf weiter beschäftigen. Als dann jedoch die andere Mitarbeiter streikten, sah die Firma keinen anderen Ausweg, als den 37-Jährigen bei vollem Gehalt zu beurlauben.

„Druckkündigung“ nur in Extremfällen

Erst die dritte Kündigung war daraufhin erfolgreich. Möglich machte dies eine sogenannte „Druckkündigung“. Diese ist dann möglich, wenn der Druck der Belegschaft oder von Kunden so groß ist, dass der Arbeitgeber reagieren muss und keine andere Lösung sieht, als dem Mitarbeiter, der in der Kritik steht, zu kündigen – auch wenn dieser sich, rein arbeitsrechtlich gesehen, nichts hat zu Schulden kommen lassen. Möglich ist eine solche Kündigung aber nur in sehr seltenen Fällen – der konkrete Fall des Kinderschänders in Bremerhaven ist einer von ihnen.   

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landesarbeitsgericht Bremen, Urteil vom 17. Juni 2015, Aktenzeichen: 3 Sa 129/14

Sitzender Mann

Weitere Artikel

Kommentare