Warum Samenspender gefährlich leben

Freitag, 06.03.2015 PK

Kürzlich entschied der Bundesgerichtshof, dass Kinder, die mit Hilfe einer Samenspende gezeugt wurden, Auskunft über die Identität ihres biologischen Vaters fordern können. Doch das ist nicht alles, was Samenspendern Unbehagen bereiten dürfte…

Das Recht eines Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung ist verfassungsrechtlich geschützt. Der „zum Zeitpunkt der Samenspende von den Eltern erklärte Verzicht auf die Auskunft bringt das Recht des Kindes nicht zu Fall“ – so heißt es im Urteil des Bundesgerichtshofes. Heißt das jetzt für alle Samenspender, dass ihre Identität preisgegeben werden kann? Ganz klar: ja! Außerdem ergibt sich aus einer früheren Entscheidung des BGH, dass der Samenspender selbst keine Rechte hat, wenn er anonym gespendet hat. So kann er zum Beispiel kein Umgangsrecht mit dem Kind erstreiten.

Erst knapp 30 Jahre „legal“

Doch trotz der beiden höchstrichterlichen Entscheidungen bleibt die Samenspende ein rechtlicher Graubereich. Medizinisch machbar ist sie seit rund 100 Jahren. Doch erst der 73. Deutsche Ärztetag im Jahr 1970 und der 65. Deutsche Juristentag im Jahr 1986 stimmten für eine Akzeptanz.

Wenn die Tarnung auffliegt

Nach der jüngsten BGH-Entscheidung könnten auf einen Samenspender sogar Unterhaltsforderungen zukommen. Wenn etwa das Sperma an eine Single-Frau geht, entsteht theoretisch dieselbe Situation wie bei einem One-Night-Stand. Schon deswegen werden Mütter ein gesteigertes Interesse am Namen des Genlieferanten haben, zumindest, wenn sie auf die finanzielle Hilfe des Jugendamtes angewiesen sind. Das zahlt nämlich keinen Unterhalt, wenn der Name des Vaters nicht preisgegeben wird, entschied das Bundesverwaltungsgericht.

Der Job bringt nicht genug ein

Und das wiederum lässt den Schluss zu, dass das Jugendamt womöglich bei einem Samenspender Regress nehmen könnte. Urteile dazu gibt es bisher nicht – aber sollte es dazu kommen, müsste sich ein Samenspender ganz schön anstrengen, um für die eventuellen Unterhaltsverpflichtungen aufkommen zu können: Er bekommt nämlich pro „Job“ nur etwa 100 Euro und darf sein Material maximal alle zwei Wochen abliefern. Mehr als 2600 Euro kommen so pro Jahr nicht zusammen. Reich werden kann man damit also nicht. Anders läuft die „Nummer“ übrigens in China:  Dort wollte ein Spender besonders fleißig sein. Man fand den 23-Jährigen mit einem Porno-Magazin in der Hand, tot am Boden liegend. Im Totenschein stand: Herzinfarkt…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

BGH: XII ZR 201/13, BGH: XII ZR 49/11, BVerwG: 5 C 28.12

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