Kein Geld für behindertes Mädchen

Dienstag, 09.02.2016 DOD

Ein Baby kommt mit Down-Syndrom zu Welt. Die Eltern verklagen darauf den Arzt auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Ihr Vorwurf: Der Mediziner hätte den angeborenen Gen-Defekt bei der Untersuchung bemerken müssen. Doch der Arzt streitet jeden Fehler ab. Die Untersuchungen in der Schwangerschaft hätten keinerlei Hinweis auf das Down-Syndrom gegeben. Oder etwa doch?…

Der Fall: Mit 28 Jahren bekommt die dreifache Mutter die Diagnose, sie sei an dem Nervenleiden Multiple Sklerose (MS) erkrankt. Ein Jahr später wird sie ungewollt schwanger. Um eine Behinderung beim vierten Kind auszuschließen – schließlich muss die werdende Mutter aufgrund ihrer Erkrankung viele Medikamente einnehmen – lässt sie sich von einem Arzt in einer Spezialklinik, einem pränatal-diagnostischen Zentrum, medizinisch untersuchen. Der Mediziner stellt dabei ein minimal zu kurzes Nasenbein fest  - ein mögliches Merkmal für Menschen mit Down-Syndrom, auch Trisomie 21 genannt. Doch er behält diese Diagnose für sich und gibt der Mutter Entwarnung.

Fatale Fehleinschätzung       

Denn ansonsten kann der Spezialist nichts Besorgniserregendes feststellen. „Die Untersuchungen“, so der Arzt später vor Gericht, „werden in solche Fällen auch eher deshalb gemacht, um mögliche Missbildungen beim noch ungeborenen Kind zu erkennen, hervorgerufen durch die Medikamente, die eine kranke Mutter einnehmen muss“. Dass eine junge Frau mit drei gesunden Kindern ein viertes mit Down-Syndrom auf die Welt bringt, sei nicht zu erwarten gewesen, lautete die Bilanz des Mediziners.

Kranke Mutter hätte abgetrieben

Die kleine Jasmina kommt schließlich auf die Welt. Und direkt nach der Geburt ist klar, dass sie kein gesundes Kind ist. Hinzu kommt noch ein schwerer Herzfehler. Die Eltern verklagen darauf den Arzt, da sie das Mädchen  - aufgrund der schweren Krankheit der Mutter - abgetrieben hätten, hätten sie vorher von dem Gen-Defekt gewusst. Sie fordern mindestens 10.000 Euro an Schmerzensgeld sowie für den Mehraufwand für den Unterhalt ihrer behinderten Tochter.

Gericht bleibt hart und auf Seiten der Ärzte

Doch die Eltern scheitern vor Gericht: Den Ärzten sei kein Fehler nachzuweisen, urteilten die Richter. Die Mutter sei hinreichend aufgeklärt worden. Und eine Garantie, dass Kinder gesund zur Welt kommen, gebe es nicht – auch nicht nach eigehender ärztlicher Untersuchung. Auch das Oberlandesgericht wies vor ein paar Tagen die Berufungsklage in der zweiten Instanz ab. Ob sich nun auch der Bundesgerichtshof mit diesem Fall beschäftigen wird, bleibt im Moment noch offen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht München, Urteil vom 4. Februar 2016

Landgericht München I, Urteil vom 24. Juni 2015, Aktenzeichen: 9 O 24225/12

Schlafendes Baby mit Down-Syndrom

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