Tödliches Vergnügen am Baggersee

Freitag, 26.06.2015 DOD

Das Wasser glitzert schön im Sonnenschein und es fühlt sich an wie Urlaub: Baden im Baggersee ist Sommer pur. Kein Chlor und kein Kampf um die letzten Quadratmeter für das Handtuch. Das Gummiboot ist schon parat und los geht es in die kühlen Fluten. Doch kaum steigen die Temperaturen, häufen sich auch die Todesfälle in diesen Gewässern…

Pack die Badehose ein - und raus geht’s zum Baggersee. Schön, wenn es erlaubt ist. Doch meistens ist es das leider nicht! Denn: Baggerseen sind gefährlich, vor allem bei laufendem Betrieb. Jedes Jahr gibt es deswegen wieder Unfälle, viele davon enden tödlich.

Gute Schwimmer ertrinken plötzlich

So endete auch das Leben eines 33-jährigen Familienvaters. Der Mann hatte einen Baggersee bei Köln durchschwimmen wollen. Seine Frau stand am Ufer und musste plötzlich hilflos mit ansehen, wie ihr Mann ohne ersichtbaren Grund unterging und nicht mehr an die Oberfläche kam. Ein Taucher der Feuerwehr fand den leblosen Körper des Familienvaters eine halbe Stunde später in knapp neun Meter Tiefe. 

Tödliche Temperaturschwankungen

Doch was macht so scheinbar harmlose Gewässer zu Killern? Nun: Durch Abbrechen der Uferböschungen können Schwankungen bei der Wassertemperatur entstehen. In Baggerseen kann das in kurzen Abständen schon mal 15 (!) Grad sein. Selbst bei geübten Schwimmern kann dadurch unerwartet und plötzlich der Kreislauf zusammenbrechen oder es können Muskelkrämpfe entstehen.

Junge rutschte in den See - tot

Eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Gefahr sind abrutschende Hänge. In Baden-Baden standen deswegen zwei Fußballtrainer vor Gericht. Sie waren mit den Kindern - ohne Wissen der Eltern -  an einen Baggersee gefahren, an dem Baden eigentlich verboten ist, der aber bei Schwimmern dennoch überaus beliebt und seit Jahren stark frequentiert ist. Ein 12 jähriger Junge rutsche dabei ins Wasser und ertrank. Das Landgericht Baden-Baden verurteilte die beiden Trainer in einem Berufungsverfahren zu Geldstrafen. Die Männer seien durch die Tragödie selbst schon sehr belastet, so das Argument der Richter. Dennoch handele es sich um ein strafbares Handeln, das geahndet werden müsse, da die Trainer ihre Aufsichtspflicht verletzt hätten.

Tödliche Kombination: Alkohol und Baggersee 

Doch es gibt noch weitere Gefahren an Bade- und Baggerseen, die jedes Jahr wieder von Neuem Todesopfer fordern: Party am Ufer und rein ins Wasser. Unter Alkoholeinfluss kann das tödlich enden. Auch für einen 16 jährigen aus Attenweiler bei Göppingen kam da jede Hilfe zu spät. Die Rettungstaucher konnten ihn nur noch tot bergen.

Ein Baggersee ist nichts natürliches!

Außerdem: An alten Maschinen unter Wasser können Strudel entstehen und die Schwimmer in die Tiefe ziehen. Drähte zu den Baggern sind durchs Wasser gespannt und sind beim Springen von den Kränen lebensgefährlich. Fast 400 Menschen sind allein im Jahr 2014 in Deutschland ertrunken, 137 alleine in in solchen Teichen oder Seen. 

Kommunen können See zum Schwimmen frei geben

In welchen Seen schwimmen erlaubt oder verboten ist, entscheiden die zuständigen Kommunen. Die DLRG warnt jedoch grundsätzlich vor dem Schwimmen in Baggerseen und Flüssen. Und doch. Auch in diesem Jahr werden die Rettungsschwimmer wieder viele Leichen aus dem Wasser bergen müssen. Das Schwimmbad, so sagen sie, sei eben immer noch am sichersten.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Baden-Baden, Urteil vom 27. November 2013, Aktenzeichen 5 Ns 200 Js 13981/11

DLRG

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