Wenn Frauen beim Parken Vorfahrt haben…

Freitag, 05.06.2015 DOD

Natürlich ist es bequem, direkt vor der Arbeitsstelle zu parken. Vor allem, wenn man selber nicht allzu gut zu Fuß ist. Doch um Bequemlichkeit geht es nicht immer. Vor allem, wenn es um „Frauenparkplätze“ geht. Ein Mann wollte das allerdings nicht akzeptieren und ging deswegen sogar vor Gericht…

Der Fall: Der Mann arbeitet als Krankenpfleger in einer Klinik und hat einen Behinderungsgrad von 40 Prozent. Das Problem: Für alle der 2500 Angestellten stehen zwar Parkplätze zur Verfügung, allerdings in zwei getrennten Parkhäusern. Das eine Parkhaus ist 500 Meter entfernt und hat die meisten Stellplätze. Das andere Parkhaus liegt zwar direkt am Eingang, hat aber nur 85 Plätze.

Parkplätze nach festen Regeln vergeben

Für die Stellplatzvergabe legte der Arbeitgeber deshalb folgende Rangfolge fest: Wer vor Dienstbeginn um 6.30 Uhr kommt und nach Dienstende um 20 Uhr wieder geht, darf hier am Eingang parken. Dann kommt die Regel „Frauen vor Männer“. Danach zählt noch das Alter und wie lange jemand schon im Krankenhaus arbeitet.

Gehbehinderung ist kein Kriterium

Der Krankenpfleger hatte nun aufgrund seiner Gehbehinderung einen Stellplatz im nahegelegenen Parkhaus gefordert - doch das wurde abgelehnt. Deshalb zog er vor das Landesarbeitsgericht mit dem Argument, der Arbeitgeber bevorzuge Frauen gegenüber Männern ohne sachlichen Grund. Bei ihm liege schließlich ein Härtefall wegen seiner Gehbehinderung vor.

Frauen häufiger Opfer von Straftaten als Männer

Doch die Richter waren der Meinung, dass Frauen einer größeren Gefahr ausgesetzt seien als Männer, Opfer von Straftaten zu werden. Deshalb gaben sie dem Krankenhaus Recht, Frauen bei der Parkplatzvergabe zu bevorzugen. Der klagende Mann muss also weiterhin den langen Weg in Kauf nehmen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 29. September 2011, Aktenzeichen: 10 Sa 314/11

Frauenparkplatz

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