Das Schimpfwort „Ossi“ ist keine Diskriminierung

Mittwoch, 21.10.2015 DOD

Eine Frau aus Ostdeutschland hatte sich erfolglos um einen Job als Buchhalterin beworben. Als sie jedoch zusammen mit der Absage die Bewerbungsunterlagen zurückgeschickt bekam, stand unter ihrem Lebenslauf der Kommentar „Ossi“ mit einem eingekreisten Minuszeichen. Darauf verlangte sie eine Entschädigung von dem Unternehmen, da sie sich in ihrer Würde verletzt fühlte…

5.000 Euro forderte die Frau von dem Unternehmen, einer kleinen baden-württembergischen Fensterbaufirma. Die Firma lehnte die Zahlung jedoch ab. Die Begründung: der Vermerk sei keine Diskriminierung, sondern diente nur einer internen Einschätzung. Außerdem würden nach eigenen Angaben mehrere Arbeitnehmer aus Ostdeutschland in der Firma beschäftigt. Die Frau habe den Job nur deshalb nicht bekommen, weil sie fachlich nicht genügend qualifiziert war. An der Herkunft habe es nicht gelegen.

Unglücklich formuliert, aber nicht illegal

Das sahen die Richter des Stuttgarter Arbeitsgerichts genau so: Der Vermerk sei keine Diskriminierung, dementsprechend hätte die Buchhalterin auch keinen Anspruch auf eine Entschädigung. Die Richter fügten  außerdem hinzu, der Vermerk könne zwar durchaus als diskriminierend verstanden werden, er „falle aber nicht unter die gesetzlich verbotene Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft“. Denn DDR-Bürger seien keine eigene Ethnie - sie als „Ossis“ zu bezeichnen sei daher juristisch gesehen nicht illegal.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 15. April 2010, Aktenzeichen: 17 Ca 8907/09

Ossi

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