Das Facebook-Konto ist vererbbar

Donnerstag, 14.01.2016 DOD

Facebook will verhindern, dass Familienmitglieder Zugang zu den Konten ihrer verstorbenen Angehörigen bekommen und macht vor allem den Datenschutz und Persönlichkeitsrechte dabei geltend. Ein Vererben war daher bislang nicht möglich – selbst dann nicht, wenn der verstorbene Nutzer noch ein Kind war…

Der Fall: Nach dem Tod ihrer minderjährigen Tochter wollte eine Mutter das Facebook-Konto ihres Kindes übernehmen um so den Zugang zu den für Dritte verschlüsselten Daten zu bekommen. Denn die Frau hatte die Hoffnung, damit Hinweise auf die Todesursache und auch für einen möglichen Suizid ihrer Tochter zu erhalten - das Kind war 2012 unter bisher ungeklärten Umständen tödlich verunglückt. Doch Facebook weigerte sich, die Daten herauszugeben, und die Mutter klagte.

Facebook ist wie Brief oder Tagebuch

Und die Richter gaben der Mutter Recht: Der digitale Nachlass ist demnach nicht anders zu behandeln als etwa Briefe oder Tagebücher. Das Persönlichkeitsrecht des verstorbenen Kindes oder der Datenschutz stehe dem Vererben an die Eltern nicht entgegen. Als Sorgeberechtigte seien die Eltern berechtigt zu wissen, wie und worüber ihr minderjähriges Kind im Internet kommuniziert hatte - sowohl zu Lebzeiten als auch nach dessen Tod. Sie dürften daher Zugriff nehmen auf Pinnwandeinträge und Chats der Tochter.

Bei Erwachsenen bleibt ein Fragezeichen

Weiter offen ist allerdings, ob Facebook auch den Erben eines Erwachsenen vollständigen Zugang zum Konto des Verstorbenen gewähren muss. Das werden im Zweifel ebenfalls Gerichte klären müssen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landgericht Berlin, Urteil vom 17. Dezember 2015, Az. 20 O 172/15

Facebook und Social-Media-Symbole

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