Knast fürs Klauen von Abfall?

Freitag, 19.06.2015 DOD

Lebensmittel, die andere weggeschmissen haben, aus Abfallcontainern wieder herauszuholen und selber zu essen – hört sich zwar eklig, aber eigentlich nach einer guten und ökonomisch wertvollen Idee an. Blöd nur, wenn die Container umzäunt sind und einer großen Supermarktkette gehören. Dann nennt man das vor Gericht nämlich Hausfriedensbruch und Diebstahl…

„Containern“ ist seit einigen Jahren ziemlich verbreitet, besonders in großen Städten. Meist junge Leute holen sich aus den Abfallcontainern weggeworfene Lebensmittel. Denn die Lebensmittel landen nur im Müll, um in den Supermarktregalen den Platz für Neues zu schaffen, sind aber meist noch in ordentlichem und gut essbarem Zustand. „Zu schade, einfach weggeworfen zu werden“, denkt sich daher so mancher. Und hat damit eigentlich auch recht.

Anzeige nach dem Müllklau

In unserem Fall war genau das geschehen: Zwei junge Männer fischten nachts in einem Container einer Supermarktkette nach Essbarem. Eine Nachbarin, die einen Einbruch vermutete, alarmierte jedoch die Polizei, und die kam auch sofort. Dann nahm alles seinen Gang: Anzeige vom Supermarktkonzern wegen Hausfriedensbruch und Verurteilung vor dem Dürener Amtsgericht wegen Diebstahls, da der Lebensmittelabfall bis zur Entsorgung dem Supermarkt gehört.

Geld oder Knast

Die Richter entschieden darauf, dass die beiden Angeklagten Geldstrafen von 300 bzw. 700 Euro bezahlen oder wahlweise 70 Tage ins Gefängnis gehen sollten. Doch das war nicht nur den Angeklagten, sondern sogar dem Staatsanwalt zu viel und sie legten Widerspruch dagegen ein.

Die Kirche auch mal im Dorf lassen

Die zweite Verhandlung fand darauf vor der Jugendkammer des Aachener Landgerichts statt. Und jetzt ging alles ganz schnell: Die Supermarktkette beharrte nicht mehr auf ihrer Anzeige und das Verfahren wurde daraufhin wegen Geringfügigkeit ohne Auflage eingestellt. Den beiden jungen Leute wäre natürlich ein Freispruch lieber gewesen, aber damit hätte das Gericht das „Containern“ für straffrei erklären müssen. Und so weit wollten die Richter in Aachen dann doch nicht gehen…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Amtsgericht Düren, Urteil vom 19. Februar 2013, Aktenzeichen: 10 Ds 288/12

Landgericht Aachen, Urteil vom 25. Juni 2013, Aktenzeichen: Az. 94 Ns 15/13

Abfallcontainer

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