Wurden am 15.1.2015 die Sportgerichte kastriert?

Samstag, 17.01.2015 DLK

Das Oberlandesgericht in München hat an diesem Tag nämlich entschieden, die Klage von Claudia Pechstein auf Schadensersatz zuzulassen. Doch was sich für den Laien im ersten Moment ziemlich unspektakulär nach einer „normalen“ Klage anhört, löst bei den Sportverbänden, die die Tragweite dieses Urteils überreißen, Panik aus…

Dazu muss man Folgendes wissen: Wenn man einen Sport ausüben will, verlangen die Sportverbände, dass ein Athlet, der an Wettkämpfen teilnehmen will, eine sogenannte „Athletenvereinbarung“ unterzeichnen muss. Darin steht, dass der Sportler damit einverstanden ist, dass alle seine Streitigkeiten, die den Sport betreffen, ausschliesslich von einem Sportgericht entschieden werden. 

Die Macht der Sportverbände

Das Oberlandesgericht München hat aber nun festgestellt, dass solche Vereinbarungen nicht rechtens sind, da die Sportler gar keine andere Wahl hätten, als diese Vereinbarung zu unterzeichnen, weil sie ansonsten nicht zu Wettkämpfen zugelassen werden würden. Im Klartext: Nach Meinung des Gerichts erpressen die Sportverbände ihre Sportler nach dem Motto: Friss oder stirb. Und genau das wollten die Richter zukünftig verhindern.

Über den Tellerrand hinaus

Doch was sich im ersten Moment gerecht anhört, könnte weitreichende Konsequenzen für den Sport bedeuten. Denn was bedeutet dieses Urteil, wenn man einmal etwas weiter denkt? Theoretisch könnten nun weltweit die Gerichte dem Urteil folgen, den internationalen Sportgerichten die Macht entziehen und eigene, regionale Regeln für Dopingsünder aufstellen. Ohne internationale Kontrolle! So würde also zum Beispiel ein jamaikanischer Sprinter nach positiver Dopingprobe in Jamaika vor Gericht kommen. Ein chinesischer in China. Und ein russischer in Russland. Würden sie aber dort  genauso überprüft und bestraft werden, wie es momentan bei internationalen Sportgerichten gehandhabt wird? Schwer vorzustellen.

Nicht gut, aber im Zweifel nötig

Natürlich kann niemand behaupten, nur internationale Sportgerichte würden alles richtig machen! So müsste man vielleicht über die Umkehrung der Beweislast nachdenken. Denn im Gegensatz zu „zivilen“ Gerichten, die eine Schuld bei einem Angeklagten erst beweisen müssen, um ihn verurteilen zu können, muss der Sportler vor dem Sportgericht seine eigene Unschuld beweisen. Ein Unding. Und trotzdem: Auch wenn die Vereinbarungen von den Sportlern mit den Verbänden nicht freiwillig geschlossen worden sind, so sind sie doch notwendig für den Sport und die Gleichbehandlung aller Sportler.

Spritze

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