Angst vor Einbrechern: Geld in Stücke gerissen  

Dienstag, 29.03.2016 DOD

Auch zerrissenes Geld ist noch etwas wert und der Staat muss den Geldschein ersetzen – eigentlich. Denn wer vorsätzlich Geld zerstört, hat Pech gehabt… 

Eine 89 Jahre alte Frau hatte Angst vor Einbrechern. Also riss sie 37(!) 500-Euro-Scheine in kleine Schnipsel und versteckte sie in einem Gefrierbeutel im Eisfach. Das Geld im Gesamtwert von 18.500 Euro war damit futsch - denn als die Frau später auf Anraten ihrer Erben die kaputten Geldscheine von der dafür zuständigen Bundesbank ersetzt haben wollte, lehnte diese das ab! 

Tausche Schnipsel gegen Schein

Denn nach einem Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) wird Geld bei vorsätzlicher Zerstörung nicht ersetzt. Lediglich wenn jemand einen Geldschein unachtsam zum Beispiel mit der Schere durchschneidet oder ein Schein reißt, hat der Bankkunde Anspruch auf einen neuen Schein - wenn die Schnipsel nicht zu klein sind.

Eine verwirrte Tat

Trotzdem zog der Anwalt der Rentnerin vor Gericht. Seine Begründung: seine Mandantin sei dement, stark verwirrt und immer schwerer ansprechbar. Das belege auch ein Gutachten.

Krankheit schützt

Und die Richter ließen sich davon überzeugen! Denn das Zerreißen von Geldscheine zum Einlagern im Gefrierfach sei ein gänzlich so ungewöhnliches Verhalten, das absolut nicht dem eines geistig gesunden Menschen entspreche. Es sei der 89-Jährigen daher nicht anzulasten. Die Frau habe ein Recht darauf, dass ihr Geld ersetzt wird.

Ein Urteil auch für Betrunkene  

Die Bank protestierte, doch eine Revision wurde nicht zugelassen, die Richter hatten somit in dem Fall das letzte Wort. Doch was sich auf den ersten Blick nach einem Einzelfall-Urteil anhört, könnte weiterreichende Folgen haben: Bis jetzt musste nämlich Geld, das in betrunkenem Zustand zerstört wurde, nicht ersetzt werden. Das hat sich nun durch dieses Urteil geändert, und Bankkunden muss zukünftig auch dieses Geld erstattet werden… 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Verwaltungsgerichtshof Hessen, Urteil vom 24. März 2016, Aktenzeichen: 6 A 682/15

Zerrissene Euroscheine

Weitere Artikel

Kommentare