Knallkörper im Fußballstadion – Runde zwei

Dienstag, 29.12.2015 PK

Weil ein wohl etwas übermotivierter Fan einen Böller in die Zuschauertribüne warf und damit  sieben Menschen verletzte, wurde er dazu verurteilt, dem 1. FC Köln 30.000 Euro zu erstatten. Das ist ein Teil der Strafe, den der Verein seinerseits an den DFB überweisen musste. Doch jetzt wurde dieses Urteil gekippt…

Sie kennen ja unsere Geschichte „Knallkörper geworfen: Fan muss 30.000 Euro Strafe zahlen“ bereits. Falls nicht, schnell nachlesen. Der Böllerwerfer wurde jedenfalls vom Landgericht Köln nicht nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, sondern auch zu einer Zahlung von 30.000 Euro. Erwartungsgemäß ging der Täter in Berufung und wurde jetzt tatsächlich vom Oberlandesgericht Köln von seiner Zahlungsverpflichtung entbunden. 

Schützt Unwissenheit etwa doch vor Strafe?

Der 1. FC Köln bleibt also auf seiner Forderung sitzen. Bemerkenswert ist die unterschiedliche Begründung der beiden Gerichte! Denn während die erste Instanz davon ausging, dass zwischen dem Täter und dem Verein ein Schuldverhältnis entstanden sei, das zu gegenseitiger Rücksichtnahme verpflichte (§ 280 Abs. 1 BGB), sieht die zweite Instanz den Fall anders: Die sagt jetzt nämlich, der beklagte Fußballfan habe zwar „seine Vertragspflichten aus dem mit dem Verein geschlossenen Zuschauervertrag verletzt“, aber dass er später für die „gegen den Verein gerichtete Verbands-Strafe eintreten soll, das konnte er vorher nicht wissen“. Die Richter formulierten wörtlich: „Es fehlt am erforderlichen Zurechnungszusammenhang.“

Was kümmern den Fan die Regeln?

Wir wollen Sie mit dieser komplizierten Rechtstheorie nicht länger quälen. Wir lernen aber: Eine Strafe, die ein Fußballverein wegen des Fehlverhaltens seiner Fans auferlegt bekommt, kann nicht auf den betreffenden Fan abgewälzt werden! Und um die komplexe Rechtslage in der DFB-Satzung muss sich kein Zuschauer kümmern. 

Ist der Fall damit ausgestanden?

Ändert das jetzt irgendetwas? Denn vielleicht wäre eine Bestätigung des ersten Urteils das nützlichere Signal an gewaltbereite Chaoten gewesen: „Benimm dich, oder du bist pleite!“ An den strafrechtlichen Konsequenzen für den Täter ändert es nichts – und auch nicht an den zivilrechtlichen: Für Körperverletzung und Beschädigung ihrer Bekleidung können die Opfer selbstverständlich eine Entschädigung verlangen (☞1860-Fans müssen im FC Bayern München Fanshop einkaufen). Und übrigens: Womöglich erleben wir demnächst Runde drei in dieser Angelegenheit. Denn das OLG Köln hat die Revision zugelassen. Dann sorgt der Bundesgerichtshof für eine juristische Detonation.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht Köln, Urteil vom 17.12.2015 - 7 U 54/15

Vorinstanz: Landgericht Köln, Urteil vom 08.04.2015 - 7 O 231/14

Hooligan

Weitere Artikel

Kommentare