Wer zahlt, wenn beim Abschleppen das Auto zerkratzt wird?

Montag, 08.08.2016 PK

Der Ärger ist auch so schon groß genug, wenn man zu seinem Parkplatz läuft und feststellen muss, dass der Wagen abgeschleppt wurde. Aber wenn man ihn dann später auch noch total verkratzt zurück bekommt, könnte man als Besitzer vor Wut überschäumen…

Und da stellt sich natürlich sofort die Frage: Wer zahlt den Schaden? Irrtümlich nehmen viele an, das Abschleppunternehmer müsse als Verursacher für den Schaden aufkommen. Und wer sich dann - womöglich noch auf dem Rechtsweg - das Geld für fällige Reparaturen oder Lackierarbeiten von der Firma erstreiten will, stößt sich die Nase. Denn das Unternehmen haftet nicht!

Hier gilt nicht das Verursacher-Prinzip

„Falsche Adresse, Klage abgewiesen“, heißt es nämlich dann vor Gericht. Diesen zusätzlichen Ärger und die vertane Zeit für den Rechtsstreit kann man sich allerdings von vornherein sparen. Und zwar ganz einfach, indem man seine Forderung direkt an die Kommune stellt, die den Abschleppauftrag erteilt hat. Denn die privaten Abschleppfirmen handeln in solchen Fällen „hoheitlich“, entschied der Bundesgerichtshof in einem jüngst veröffentlichten Urteil (VI ZR 383/12). Und das bedeutet nicht anderes als: Die Firma ist fein raus, weil sie ein ihr „anvertrautes öffentliches Amt“ ausübt.

Die Stadt kommt aus der Haftung nicht heraus

Die Stadt dagegen kann sich der Haftung nicht entziehen, nur weil sie einen Auftrag per Vertrag an eine private Firma überträgt. Sie muss daher zahlen, wenn es beim Abschleppvorgang zu einem Fehlverhalten seitens des Unternehmens kommt. Im verhandelten Fall ging es übrigens um einen Schaden von 3.400 Euro, entstanden und verschuldet durch das Ordnungsamt in Mannheim.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bundesgerichtshof: VI ZR 383/12

Kratzer im Lack

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