Ärzte haften nur für Fehler, nicht für Schicksale

Samstag, 09.05.2015 BJ

Seit seiner Geburt vor knapp 30 Jahren kämpft eine Mutter vor Gericht für ihren schwerstbehinderten Sohn. Ihrer Meinung nach hatte der Gynäkologe, die Hebamme und eine Krankenschwester schwerwiegende Behandlungsfehler vor, während und unmittelbar nach der Geburt des Jungen gemacht.

Außerdem verklagte sie den Träger des Kinderkrankenhauses auf Schadensersatz. Hätte man das Baby nämlich nach der Geburt sofort in eine Kinderklinik verlegt, wäre der spätere Gesundheitsschaden vermutlich geringer ausgefallen. Mehrere Gutachten unterstützen diese Einstellung.

Schicksal oder Fauxpas?

Die Familie forderte ca. 1.000.000 €  Schadensersatz und Schmerzensgeld, dazu eine monatliche Rentenzahlungen von knapp 3.000 €. Das Landgericht Kämpen sprach 2011 dem 28-Jährigen diesen Betrag auch zu.

Zum Leben zu wenig,…

Das Oberlandesgericht München jedoch sprach dem Mann schließlich nur 20 Prozent der geforderten Schadensersatzsumme zu. Ein Sachverständiger hatte festgestellt, dass der Mann schon durch „schicksalhafte Ereignisse“ im Mutterleib einen irreparablen Gesundheitsschaden erlitten hatte. Durch die fehlerhafte Behandlung nach der Geburt hätten sich die Beeinträchtigungen lediglich verschlimmert. Laut Sachverständigen wäre der Mann aufgrund seiner mentalen Beeinträchtigungen so oder so nicht in der Lage gewesen, ein selbstständiges Leben zu führen. Für die schicksalhaften Probleme bei der Geburt könne das Krankenhauspersonal nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Der Familie würde nur 300.000 € zustehen, in denen auch schon die Mehrbedarfs-Rente in kapitalisierter Form enthalten wäre.

Diese Haftungsquote wurde vom Bundesgerichtshof am 20.05.2014 als korrekt bestätigt.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bundesgerichtshof Karlsruhe Urt. v. 20.05.2014, Az. VI ZR 187/13

§§ 280, 823 BGB

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