Wegen Übermut: Azubi muss 25.000 Euro Schmerzensgeld zahlen

Montag, 18.05.2015 PK

Das Bundesarbeitsgericht kennt kein Pardon, wenn es um Körperverletzung geht. Auch nicht, wenn diese aus Übermut und ohne jede Absicht geschieht. Ein Lehrling, der unbedacht ein kleines Metallstück über seine Schulter warf, hat daran sicher noch eine Weile zu knabbern…

...allerdings auch der andere Auszubildende, den das nur 10 Gramm schwere Metallstück im Auge getroffen hatte. Die Szene hatte sich in einer Autowerkstatt zugetragen: Die Azubis sollten Autoreifen auswuchten. Dazu werden kleine Metallgewichte aus Aluminium verwendet. Während alle fleißig arbeiteten, stand einer faul in der Gegend herum – und wurde von einem dieser Auswuchtgewichte getroffen, weil sein junger Kollegen es achtlos über seine Schulter geworfen hatte, ohne sich zu vergewissern, dass niemand in der Flugbahn stand.

Nie wieder richtig sehen können

Das Unglück nahm also seinen Lauf. Denn die Verletzung des Getroffenen war so schwer, dass ihm die Ärzte in mehreren Operationen eine künstliche Augenlinse implantieren mussten. Und weil sich eine Narbe über die Hornhaut seines linken Auges zieht, wird der junge Mann nie wieder räumlich sehen können. Seine ursprünglich Klage beim Arbeitsgericht in Frankfurt/M. lautete deshalb auf 175.000 Euro Schmerzensgeld. Das fand die erste Instanz übertrieben: 10.000 Euro – damit sollte sich der Verunglückte zufrieden geben. Die zweite Instanz, das Landesarbeitsgericht, stockte dann den Betrag doch wieder auf 25.000 Euro auf, wiesen aber die Forderung nach einer lebenslangen Rente ab. Dieses Urteil wurde schließlich vom Bundesarbeitsgericht bestätigt, zusätzlich erhält der Geschädigte aber eine monatliche Rente von 204,40 Euro. Zum Glück muss die der unvorsichtige Werfer nicht auch noch bezahlen – das übernimmt die Berufsgenossenschaft.

Genauso schlimm wie eine Schlägerei

Ob Versehen oder nicht: Man sollte sich immer vor Augen führen, dass solche Körperverletzungen auf der Arbeitsstelle für den Verursacher genauso teuer werden wie für einen Kneipenschläger, der einen anderen Gast mit einem Faustschlag die Sehkraft nimmt. 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

BAG: 8 AZR 67/14

OLG Oldenburg:15 W 51/06

Verletztes Auge

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