13 Minuten Verspätung – Grund genug für eine Abmahnung?

Samstag, 23.04.2016 PK

Nur ein einziges Mal kam eine Angestellte zu spät zur Arbeit. Gerade einmal 13 Minuten! Für ihren Chef Anlass genug, ihr eine Abmahnung zu schreiben und den Vorfall in die Personalakte einzutragen…

Doch worum geht es eigentlich bei einer Abmahnung? Nun, es geht darum, den Arbeitnehmer auf ein Fehlverhalten aufmerksam zu machen, ihn aufzufordern, dies künftig zu unterlassen und die möglichen Konsequenzen klarzustellen – nämlich die Kündigung! In einer Abmahnung muss der Arbeitgeber deshalb das Fehlverhalten eindeutig beschreiben. Zwar muss das Wort „Abmahnung“ nicht unbedingt in diesem Dokument vorkommen – aber auch ohne diese konkrete Bezeichnung ist die Abmahnung die rechtliche wirksame Voraussetzung für eine spätere verhaltensbedingte Kündigung.

Verhältnismäßigkeit muss gewahrt sein

Nun kommt es allerdings darauf an, für welches Fehlverhalten ein Mitarbeiter abgemahnt wird. Bei einer Bagatelle wie hier der geringfügigen Verspätung schießt der Arbeitgeber eindeutig übers Ziel hinaus. Er muss nämlich immer die Verhältnismäßigkeit wahren. Genau das aber hat der Arbeitgeber hier nicht getan, sagt das Arbeitsgericht in Leipzig.

Eine mündliche Ermahnung hätte gereicht

Die Richter führten aus: „Zwar liegt durch die Verspätung ein objektiver Verstoß gegen arbeitsvertragliche Pflichten vor – das aber ist als einmaliges Vorkommnis ein geringfügiges Fehlverhalten, welches allenfalls eine einfache Ermahnung rechtfertigt. Diese gehört weder in die Personalakte, noch ist mit ihr die Androhung einer Kündigung gekoppelt“. Der Arbeitgeber musste deshalb die Abmahnung schlußendlich wieder aus der Personalakte entfernen und den Eintrag löschen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Arbeitsgericht Leipzig, Urteil vom 23.07.2015 – 8 Ca 532/15

Abmahnung

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