Wer erbt in einer Patchwork Familie?

Sonntag, 17.09.2017

Eine Patchwork-Familie ist im Sinne des schon recht betagten Bürgerlichen Gesetzbuches keine „klassische“ Familie. Im Erbrecht hat das regelmäßig Folgen, die sich die Betroffenen so nicht gewünscht haben. Aktives Eingreifen ist jedoch möglich.

Trennen sich verheiratete Paare (oder eingetragene Lebenspartner) mit Kindern und finden neue Partner, die ebenfalls bereits verheiratet waren und Kinder haben, entstehen sognannte „Patchwork-Familien“. Im neu gegründeten Haushalt leben dann zum Beispiel der Vater mit seinem leiblichen Sohn und die neue Partnerin mit ihrer Tochter. Vier Menschen, eine ganz normale Familie – aber ein schwieriger Erbfall.

Was passiert im Todesfall eines Partners?

Stirbt der Vater, verteilt sich das Erbe ohne anderweitige Regelungen gemäß der gesetzlichen Erbfolge. Das bedeutet, der leibliche Sohn erhält seinen Anteil, die neue Partnerin (so keine neue Ehe geschlossen wurde) und deren Tochter gehen leer aus. War der Vater noch mit seiner Ex-Frau, der Mutter seines Sohnes, verheiratet, ist diese ebenso erbberechtigt wie weitere leibliche Kinder. Ist die Scheidung bereits eingereicht oder vollzogen, erben nur die leiblichen Kinder. Die Ex, die Neue und deren Tochter bekommen nichts. Allerdings kann die Ex-Frau über Umwege dennoch ans Geld kommen: als Sorgeberechtigte der minderjährigen Kinder. Im tragischen Todesfall des Kindes erhält sie das Vermögen sogar direkt.     

Was tun, um dies zu ändern?

Ein häufiger Fall in der Praxis ist, dass zumindest der ehemalige Partner keinen Erbanteil erhalten soll. Dies ist relativ leicht zu erreichen: Reichen Sie die Scheidung ein. Ist diese unstrittig, entfällt der Pflichtanteil sogar schon vor dem offiziellen Scheidungsurteil. Auch das sogenannte Berliner Testament, in dem sich die Eheleute gegenseitig als Erben einsetzen, erlischt. Dessen ungeachtet sollte, so gewünscht, in jedem Testament explizit ausgewiesen sein, was bei einer Scheidung passiert.

Der sicherste Weg ist die Aufsetzung eines sogenannten Geschiedenen-Testaments, das allerdings rechtliche Beratung voraussetzt. Hier lässt sich der Zugriff auf das Vermögen durch den ehemaligen Partner über die Kinder weitgehend ausschließen.   

Da die gesetzliche Erbfolge nur leibliche und adoptierte Kinder anerkennt, gibt es drei Wege, die Stiefkinder in der Patchwork Familie mit zu versorgen: per Adoption, Testament oder Erbvertrag.

Familie mit 2 Kindern

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17.09.2017 11:25
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