Was tun, wenn mehrere Testamente vorhanden sind?

Donnerstag, 05.10.2017

Hinterlässt ein Verstorbener mehrere Testamente, was in der Praxis häufig passiert, stellt sich die Frage nach deren Gültigkeit. Dabei gilt zwar der Grundsatz, dass das jeweils jüngst-datierte Testament Vorrang genießt, aber es gibt entscheidende Ausnahmen.

Wichtig ist zunächst, ob alle Testamente die formalen Erfordernisse erfüllen. Trägt zum Beispiel eines der Dokumente keine Unterschrift des Erblassers, findet es auch keine Berücksichtigung. Die formale Richtigkeit bedeutet dabei nicht, dass das anwaltliche Testament Vorrang im Vergleich zur handschriftlichen Version genießen würde, solange dieses eindeutig den letzten Willen bekundet.

Besteht überhaupt ein Widerspruch?

Wird im jüngsten Testament der Widerruf der vorherigen Verfügungen nicht ausdrücklich erklärt, sollten zunächst die inhaltlichen Widersprüche analysiert werden. Oft handelt es sich beim späteren Testament nur um eine Ergänzung, womit die Vorversion unverändert in Kraft bleiben kann. In diesem Fall ist also davon auszugehen, dass die Testamente nicht konkurrieren und somit beide zur Anwendung kommen.

Existiert ein gemeinschaftliches Testament?

War der Verstorbene verheiratet und existiert ein gemeinsames Testament mit dem früheren Ehepartner, kann dieses nicht einseitig außer Kraft gesetzt werden. Die wechselbezüglichen Verfügungen haben Bestand, auch wenn im Nachhinein ein „formal richtiges“ Einzeltestament mit abweichenden Erbregelungen auftauchen sollte.

Wechselseitige Verfügungen wie im Berliner Testament können daher nach dem Tod eines der Partner nicht widerrufen werden. Zu Lebzeiten beider Partner ist ein Widerrufstestament zwar möglich, muss aber notariell beurkundet und dem Partner zur Kenntnis gebracht werden.

Der übliche Fall

War der Erblasser vor seinem Tod nicht schwer erkrankt, ist davon auszugehen, dass er die Änderungen eigenverantwortlich im Sinne seiner Interessen vorgenommen hat. Das ist zu akzeptieren, selbst wenn es den Wünschen eines Erben entgegensteht. Daher wird in den meisten Fällen das jüngste Testament als maßgeblich betrachtet, denn es ist der letzte Wille.

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