Wann ein Testament unwirksam ist

Dienstag, 08.08.2017

Viele Testamente sind umstritten, manche tatsächlich unwirksam. Der letzte Wille kann dann nicht umgesetzt werden. Basis der Anfechtung sind zum Beispiel Formfehler, aber auch Zweifel am Geisteszustand des Erblassers.  

In §2247 des Bürgerlichen Gesetzbuches ist festgelegt, dass ein Testament entweder  notariell oder vollständig handschriftlich verfasst sein muss. Die Unterschrift ist immer eigenhändig vom Erblasser zu leisten.

Formalien von großer Bedeutung

Es sind kleine Formalitäten, die ein Testament unwirksam machen können. Bestes Beispiel ist das fehlende Datum – denn so kann bei mehreren Fassungen womöglich nicht bestimmt werden, welche die letzte und damit gültige Version ist. Unvollständige Namen von Begünstigten können ebenfalls zu Streit führen, der in einer Ablehnung des Testaments endet. Sicherheitshalber sollten deshalb alle offiziellen Namensbestandteile, das Geburtsdatum, der Geburtsort und zur auch die Beziehung zwischen Erblasser und Erben im Testament genannt sein.

Testierfähigkeit garantiert?

Gerade bei sehr betagten oder kranken Personen wird oft die Testierfähigkeit zum Zeitpunkt der Testamentsaufsetzung oft in Zweifel gezogen. Der Gesetzgeber formuliert es in §2229 Abs. 4 BGB: Ein Testament ist unwirksam, wenn der Erblasser "wegen krankhafter Störung der Geistestätigkeit, wegen Geistesschwäche oder wegen Bewusstseinsstörung nicht in der Lage ist, die Bedeutung einer von ihm abgegebenen Willenserklärung einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln".

Ist die Einsichtsfähigkeit nicht gegeben, gilt das Testament wie bei Formfehlern als unwirksam, womit die gesetzliche Erbfolge in Kraft tritt.

Frühere bindende Erbverträge

Ein gemeinsames Testament von Ehegatten, das zu einem früheren Zeitpunkt angefertigt wurde oder ein Erbvertrag zwischen dem Erblasser und einer anderen Person sind bindend und können ein späteres Testament unwirksam machen (§2270, 2271 und 2289 BGB).

Nichtwissen über das Vorhandensein von unehelichen Kindern, Irrtümer über die gesetzliche Erbfolge und Pflichtteile oder die unlautere Einmischung von Begünstigten machen ein Testament (zumindest in Teilen) ebenfalls unwirksam. Wenn beispielsweise eine Frau ihrer besten Freundin etwas vererbt, diese aber nachweislich eine Affäre mit dem Ehemann der Verstorbenen hatte, kann der letzte Wille von der erbberechtigten Verwandtschaft angefochten werden.

Testament durch Dritte beeinflusst

Ein Testament ist auch unwirksam, wenn der Erblasser zu seinem letzten Willen nachweisbar durch Dritte gedrängt wurde oder der Verstorbene Dritte per Testament ermächtigt, das Erbe nach Gutdünken zu verteilen.

Für Heimbewohner gelten besonders strenge Vorschriften. Nach §134 BGB ist ein Testament von ihnen teilweise unwirksam, wenn es Beschäftigte ihres Pflege- oder Altersheimen begünstigt. Diesen ist es nämlich untersagt, Geld oder geldwerte Leistungen der betreuten Bewohner anzunehmen. 

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