Vaterschaft anfechten: Wie geht das und wann ist es sinnvoll?

Freitag, 07.07.2017

Schätzungen gehen davon aus, dass bei jedem zehnten Kind der Vater nicht der leibliche Vater ist. Dennoch reicht der pure Verdacht auf ein "Kuckuckskind" nicht aus, um einen Vaterschaftstest zu machen – zumindest nicht, wenn er Akzeptanz vor Gericht finden soll.  

In der Ehe geborene Kinder gelten rechtlich als Kinder des Ehemanns, egal ob er der biologische Vater ist oder nicht, ob sie auf natürlichem Wege oder durch künstliche Befruchtung mit dem Samen eines Dritten entstanden sind. Selbst wenn Männer die Vaterschaft wider besseres Wissen anerkennen, gibt es für sie später kein Zurück mehr. Vater bleibt in diesem Fall Vater.

Wann kann die Vaterschaft angefochten werden?

Die Gründe für die Anfechtung der Vaterschaft müssen nicht nur nachprüfbar, sondern zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes auch nachweislich unbekannt gewesen sein. Das wäre zum Beispiel bei einer zuvor unbekannten Affäre der Frau der Fall oder wenn die schon lange bestehende Zeugungsunfähigkeit des Mannes ans Licht kommt.

Anfechten lässt sich die Vaterschaft zudem nur innerhalb von zwei Jahren nach Kenntnis der Umstände, die eine bestehende juristische Vaterschaft in Frage stellen.

Gründe für Ablehnung

Die Vaterschaft anfechten lässt sich, wenn das Kind vor der Ehe auf die Welt kam, sowohl von der Mutter, dem leiblichem oder dem juristischem Vater oder auch dem Kind selbst. Bei einer Geburt während der Ehe müssen beide Ehepartner und das Kind (bei Minderjährigen über einen gesetzlichen Vertreter) mit einer DNA-Analyse einverstanden sein, es sei denn, das Abstammungsgutachten wird gerichtlich angeordnet.

Bestehen bei einem der Ehepartner oder beim Kind selbst Zweifel über die Vaterschaft, kann Klage beim Familiengericht am "gewöhnlichen" Wohnort des Kindes eingereicht werden. Seit 2008 wird bei berechtigten Gründen das DNA-Gutachten angeordnet und auf diese Weise vom Gericht eine Klärung der Vaterschaft herbeigeführt. Das Urteil entscheidet über die Verwandtschaft des Kindes mit allen rechtlichen Konsequenzen etwa über Unterhalt und Erbe.

Kindeswohl entscheidend

Liegen zwingende Beweise für eine außereheliche Zeugung vor oder leben die Ehepartner in Trennung oder im laufenden Scheidungsverfahren, wird dem Abstammungsgutachten meist statt gegeben. Allerdings darf zum Beispiel nicht der Freund einer verheirateten Frau die Vaterschaft des Kindes anfechten, wenn es der rechtmäßige (Noch-) Ehemann nicht tut. Das geht nur, falls das Kind zu seinem rechtlichen Vater kein sozial-familiäres Verhältnis hat oder – im Falle dessen Todes – bis zu diesem Zeitpunkt hatte.

Heimlicher DNA-Test nicht beweiskräftig

Ein ohne Zustimmung vorgenommener DNA-Test gilt vor Gericht nicht als Nachweis, um die Vaterschaft anzufechten. Nur ein einvernehmliches Gutachten oder die gerichtlich angeordnete Duldung einer Probeentnahme mit wissenschaftlicher Auswertung ist später beweiskräftig.

Das Gericht kann das Verfahren zur Klärung der leiblichen Abstimmung auch aussetzen, wenn die Gefahr besteht, dass bei Minderjährigen das Kindeswohl erheblich beeinträchtigt wird. Eine Klage zum Anfechten der Vaterschaft kostet etwa 2.000 Euro, der DNA-Test weitere 1.000 Euro.

Ist er nicht der Vater?

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