Streaming mit dem VPN-Client: Rechtliche Grauzone?

Mittwoch, 17.05.2017

Das Surfen über ein Virtual Private Network, kurz VPN, ist selbst für den technischen Laien ein Kinderspiel: kostenlose Software downloaden, schon kann es losgehen – grenzenlos, verschlüsselt und anonym. Aber ist das Streaming mit dem VPN-Client auch legal?

VPN-Verbindungen werden von Firmen ebenso genutzt wie von privaten Anwendern. Die Gründe variieren: Der eine möchte verhindern, dass unberechtigte Dritte die gesendeten Daten einsehen können. Anderen geht es vielleicht um die Umgehung der Zensur oder um den Abruf von Inhalten, die im eigenen Land sonst nicht zugänglich wären. Für alle gilt: Das anonyme Surfen über VPN ist legal, solange man es für legale Zwecke nutzt. In Sachen Streaming beginnt hier die Grauzone.

Wie funktioniert ein VPN-Client?

Bei einer VPN-Verbindung sorgt die Software dafür, dass sich Ihr Rechner mit einem zentralen Server verbindet. Dieser „Tunnel“ ist verschlüsselt und sorgt dafür, dass Ihr Rechner ein Teil des Server-Netzwerks wird. Damit ist auch Ihre individuelle IP-Adresse nicht mehr sichtbar.

Sie surfen fortan anonym und können Geo-Schranken überwinden. Stellt zum Beispiel ein US-Portal seine Streaming-Inhalte nur in den USA zur Verfügung, surfen Sie über VPN fortan erfolgreich als Amerikaner.

Ist Streaming über einen VPN-Client legal?      

Tatsächlich bewegt man sich hier in einer rechtlichen Grauzone, und die Luft wird dünner. So hat der Europäische Gerichtshof kürzlich im Zuge eines Hardware-Prozesses klargestellt, dass User, die wissentlich auf illegale Inhalte zugreifen, das Urheberrecht verletzen. Zur Begründung heißt es, der Rechteinhaber werde durch den Abruf bewusst geschädigt, was Strafen nach sich ziehen müsse.

An der gängigen Streaming-Praxis ändert dieses Urteil so schnell wohl nichts, gerade wenn man auf große Anbieter wie Netflix oder YouTube zugreift. Darf man als User in diesem Fall nicht sogar davon ausgehen, dass die Netz-Giganten die Rechte bereits abgegolten haben?

Ein Gesetz, das den Bruch von Geo-Schranken unter Strafe stelle, gibt es bislang nicht. Fühlt sich der Anbieter geschädigt – zu Recht, zumal die AGBs den Zugriff meist verbieten – wird er sich selbst zur Wehr setzen. Bestes Beispiel: Netflix, das deutsche Kunden mit VPN-Client aussperrt. Da ist man im global agierenden Unternehmen weit schneller als der jeweilige Gesetzgeber. Und auch die User finden sonst wohl schnell einen anderen Weg zum Streaming-Glück.       

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17.05.2017 15:45
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