So funktioniert eine Privatinsolvenz

Donnerstag, 14.09.2017

Die Privatinsolvenz ist der Versuch eines wirtschaftlichen Neuanfangs. Er ermöglicht es dem Schuldner, seine Verbindlichkeiten innerhalb von drei bis sechs Jahren abzubauen, wobei nur ein geringer Teil der Gelder tatsächlich zurückgezahlt werden muss. 

In Abhängigkeit der Situation kann der Prozess der Privatinsolvenz, auch Verbraucherinsolvenz genannt, trotz des weitgehenden Schuldenerlasses schmerzhaft und zäh sein. Die Dauer von drei Jahren ist das Minimum, das erst seit einer Neuregelung im Juli 2014 gilt.

Um eine Privatinsolvenz einzuleiten, müssen gleich mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Bedenkt man jedoch, dass am Ende Geld ganz legal nicht an seinen rechtmäßigen Besitzer zurückfließt, sind diese Hürden verständlich. Einerseits soll dem Schuldner aus einer Krise geholfen werden, die sonst für ihn nicht mehr zu bewältigen wäre. Andererseits dürfen die Gläubiger nicht leer ausgehen.

Ziel der Privatinsolvenz

Können die Verbindlichkeiten nicht mehr gedeckt werden, braucht es eine Lösung. Die Privatinsolvenz stellt dem Schuldner eine Restschuldbefreiung in Aussicht, die nach der Wohlverhaltensphase eintritt. Anders gesagt: Hält sich der Schuldner an die getroffenen Absprachen und Zahlungspläne, werden die restlichen Schulden nach der vereinbarten Zeit getilgt. Der Neuanfang ist geschafft.

Hinweis: Ob die Restschuldbefreiung greift, entscheidet letztlich immer das Gericht. Die Befreiung kann auch verweigert werden, zum Beispiel wenn falsche Vermögensangaben gemacht wurden und der Schuldner die Annahme von Arbeit verweigert.

Welche Regeln gelten, um diesen Prozess in drei Jahren zu durchlaufen?

Die Hürden sind hoch: Der Schuldner muss in dieser Zeit 35 Prozent seiner Schuldenlast tilgen und die Kosten aus dem Privatinsolvenzverfahren tragen. Das können je nach Insolvenzmasse einige tausend Euro sein.

Werden bei einer Privatinsolvenz alle Schulden berücksichtigt?

Nein: Steuer- und Unterhaltsschulden sind immer ausgeklammert. Sie müssen gezahlt werden. Auch Bußgelder fließen nicht in die Insolvenzmasse ein.  

Welcher Betrag steht dem Schuldner in der Wohlverhaltensphase zur Verfügung?

Ein bestimmter Sockelbetrag gilt als nicht pfändbar. Er kann aus der aktuellen Pfändungstabelle entnommen werden, die im Internet veröffentlicht wird. Grundsätzlich sind alle Beträge über einem monatlichen Nettoeinkommen von 3480 Euro voll pfändbar. Sonst richtet sich der Pfändungsbetrag auch nach der Anzahl der unterhaltsberechtigten Personen im Haushalt. Bei einem Gehalt von 2.500 Euro und drei unterhaltsberechtigten Personen können zum Beispiel 139,21 Euro gepfändet werden. Ohne die Unterhaltsberechtigten wären es 956,34 Euro.

Gepfändet werden auch Wertgegenstände, Dinge des täglichen Bedarfs dagegen nicht. Zum Teil ist das eine Sache der Abwägung: die Luxuskarosse ist weg, der Kleinwagen für den Weg zur Arbeit dagegen nicht.   

Wie läuft die Privatinsolvenz ab?

Zu Beginn steht der Versuch, sich einvernehmlich mit den Gläubigern zu einigen. Es geht also zunächst um eine außergerichtliche Einigung, bei der die Schuldnerberatung unterstützt. Sie erstellt gemeinsam mit dem Schuldner einen Schuldenbereinigungsplan, in dem auch die Namen und Adressen der Gläubiger vermerkt sind. Im Anschluss werden diese angeschrieben und um einen Teilverzicht der Schulden ersucht. Es müssen alle Gläubiger zustimmen, um an einem Gerichtsverfahren vorbeizukommen.

Gelingt dies nachweislich nicht, kann der Insolvenzantrag gestellt werden. Es folgt entweder ein vom Gericht eingeleitetes Schuldenbereinigungsverfahren, sozusagen der 2. Versuch, oder direkt das Insolvenzverfahren – was wahrscheinlicher ist. Im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens ist es übrigens auch später noch möglich, sich bei laufender Insolvenz vorfristig zu einigen.

Insolvenzverfahren    

Im eigentlichen Insolvenzverfahren verwertet ein Treuhänder, über den Sie mit bestimmen dürfen, Ihre Vermögenswerte. Es kommt also zur Zwangsvollstreckung. Zuvor wird geklärt, ob der Schuldner in der Lage ist, die Verfahrenskosten zu tragen oder ob die Kosten gestundet werden.

Wohlverhaltensphase

Das Gericht stellt die Restschuldbefreiung in Aussicht. Fortan wird der pfändbare Teil des Gehaltes entzogen, über den Sockelbetrag verfügen Sie selbst. Im Falle einer Erbschaft fließen 50 Prozent an den Treuhänder.

Dieser Prozess dauert sechs Jahre. Werden alle Voraussetzungen erfüllt, ist eine Verkürzung auf drei oder fünf Jahre möglich.

 

verzweifelter Mann

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