Scheidungsgrund Untreue? Das ist die rechtliche Lage

Donnerstag, 04.05.2017

Jede dritte Ehe in Deutschland wird geschieden, wiederum gut ein Drittel davon aufgrund von Ehebruch und Eifersucht. Dabei ist die Schuldfrage für die Scheidung selbst kaum von Belang. Bei der Festlegung von Unterhalt und Zugewinn kann der Betrogene dagegen mit Vorteilen rechnen.  

Die Hürden für eine Scheidung sind leicht zu nehmen. Gilt eine Ehe als gescheitert, kann sie nach einer Trennungsfrist geschieden werden. Die Schuldfrage wird dabei nicht in Betracht gezogen. Entscheidend ist: Die Ehepartner haben sich auseinandergelebt, ohne Aussicht auf Besserung.

Seitensprung mit finanziellen Folgen

Trotz des Treuegelübdes im Standesamt ist ein Seitensprung nie auszuschließen. Was folgt, ist nicht selten die Scheidung und der nervenzehrende Rosenkrieg. Aber hat der Ehebrecher oder die Ehebrecherin mit dem Fehltritt tatsächlich alle Ansprüche verwirkt?

Die Antwort obliegt den Familiengerichten. Handelt es sich tatsächlich um einen einmaligen Ausrutscher, wird sie meist „nein“ lauten. Bemüht man dagegen das andere Extrem, zum Beispiel wenn sich einer der Eheleute sexuell gänzlich einem neuen Partner zuwendet, sieht das anders aus. Die möglichen Folgen: Der Unterhaltsanspruch wird gestrichen (§ 1579 BGB) und die Scheidung kann ohne Trennungsfrist vollzogen werden. Ein Zusammenraufen der Ehegatten ist unter diesen Umständen ja ohnehin nicht mehr zu erwarten.

Scheidungsgrund und Lebenssituation    

Wie die Familiengerichte urteilen, hängt nicht allein vom Scheidungsgrund ab. Einbezogen wird auch die jeweilige Lebenslage. Einer dreifachen Mutter mit Kleinkindern das Recht auf Unterhalt zu entziehen, kommt kaum in Frage, selbst wenn sie ihren Ehemann wiederholt hintergangen hat. Der Grund: Der Frau kann neben der Kinderbetreuung keinen Job ausfüllen, ihrer „nachehelichen Eigenverantwortung“ aus finanzieller Sicht also zunächst nicht gerecht werden. Zu erwarten ist jedoch, dass die Zahlung an die betreuende Mutter auf eine Mindestdauer beschränkt wird.

Regelung im Ehevertrag?

Mit dem Abschluss eines Ehevertrags besteht die Chance, die finanziellen Folgen des Ehebruchs im Vorfeld zu regeln. Wer sich hier egoistisch durchsetzt, kann letztlich aber dennoch mit leeren Händen dastehen. Die Richter sehen solche Regelungen als sittenwidrig und damit als nichtig an.   

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