Rechtsschutzversicherung: Darauf sollten Sie bei einem Abschluss achten

Donnerstag, 13.07.2017

Rund fünf Millionen Ermittlungsverfahren pro Jahr belegen: die Wahrscheinlichkeit für einen Rechtsstreit ist hoch. Wird man in ein Gerichtsverfahren verwickelt, kann das empfindlich teuer werden. Mit der passenden Rechtsschutzversicherung lässt sich vorbeugen.

Wer vor Gericht verliert, muss tief in die Tasche greifen. Der Deutsche Anwaltvereins errechnet für die Verhandlung in erster Instanz durchschnittlich gut 2.500 Euro. Geht es in die zweite Instanz, wird schon mehr als das Doppelte fällig.

Entscheidende Parameter

Zuerst gilt es zu überlegen, welche Bereiche Sie mit dem Rechtsschutz absichern wollen. Die Kombination aus Privat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutz hat sich in der Praxis bewährt. Damit wären nicht nur private Straf- und Bußgeldverfahren, sondern auch Schadensersatz nach Behandlungsfehlern durch Ärzte abgedeckt, arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen bis zur Kündigung und Konflikte im Straßenverkehr. Bei der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt könnten auch Rechtsschutz für Mieter oder Eigentümer eine gute Option sein.

Eine  kostenlose telefonische Beratung ist Standard bei Rechtsschutzversicherungen. Der Rechtsschutz deckt:

  • die Kosten für den eigenen Anwalt
  • die Kosten für den Anwalt des Gegners – und zwar auch, wenn Sie der Verlierer sein sollten
  • die allgemeinen Gerichtskosten
  • die Kosten für Zeugen und Gutachter
  • das zinslose Darlehen für die Strafkaution
  • die Kosten für außergerichtliche Einigung, Vorverfahren, Mediation etc.

Empfehlungen für gute Policen – unsere Tipps  

  • Prüfen und sparen: Vielleicht sind Sie durch Ihre Mitgliedschaft in einem Automobilclub oder einer Gewerkschaft bereits Rechtsschutz-versichert. Dann können Sie diesen Bereich aussparen. Oder gilt die Rechtsschutzversicherung des Partners auch für Ihre Absicherung?
  • Achten Sie auf Sondertarife: Beamte, Rentner oder Studenten können spezielle Vergünstigungen bekommen.
  • Checken Sie auch die Angebote von Direktversicherern und Online-Portalen – aber Vorsicht, immer recherchieren und auch bei Tests von Verbraucherinstituten oder Ähnlichem informieren.
  • Ein Kompromiss bei der Selbstbeteiligung kann helfen, die Beiträge der Police zu senken. Hier gilt es abzuwägen, inwieweit die einmalige Zahlung im Schadensfall zu verkraften ist.
  • Die Deckungssumme sollte möglichst unbegrenzt sein, mindestens aber 300.000 Euro betragen. Sie erleichtert es, wenn nötig in die zweite Instanz gehen zu können. Es empfiehlt sich auch, einen Betrag von 100.000 Euro für Strafkautionen zu vereinbaren.
  • Informieren Sie sich genau, inwieweit und wie lange der Rechtsschutz im Ausland Gültigkeit hat.
  • Günstig ist es, ein Recht auf freie Wahl des Anwalts zu haben und nicht auf einen Vertragsanwalt angewiesen zu sein.
  • Eine uneingeschränkte Telefonberatung und die Möglichkeit zu außergerichtlicher Einigung und Widerspruch sollte eingeschlossen sein.

Wichtig: Beizeiten abschließen!

Die meisten Rechtsschutzversicherungen haben eine Wartezeit von drei Monaten. Das bedeutet, dass die Policen nur langfristig von Nutzen sind. Wenn der Rechtsstreit schon vor der Tür steht, ist es zu spät. Außerdem wird die Rechtsschutzversicherung nur wirksam, wenn der Fall vor Gericht Erfolgsaussichten hat und Ihnen kein Vorsatz nachgewiesen werden kann. Wer es übertreibt, riskiert eine Kündigung der Police.

Aktuelle Studie

Das auf dem Versicherungsmarkt aktive Analystenhaus „Franke und Bornberg“ aus Hannover hat aktuell ein Rating zu Rechtsschutzversicherungen vorgelegt. 141 Tarife von 38 Anbietern wurden unter die Lupe genommen. Untersucht wurden Tarife für Familien und solche für Singles. Generell wichtig war den Analysten,

  • Dass die Kosten auch dann von der Versicherung übernommen werden, wenn es zu einer außergerichtlichen Einigung – etwa bei Sozial-, Steuer- oder Verwaltungsstreitigkeiten – kommt.
  • Dass es im Familien-, Erb- und Lebenspartnerschaftsrecht auch weiterführende Leistungen gibt. Das bedeutet, dass nicht nur Rat und Auskunft des Rechtsanwalts angeboten werden, sondern zusätzlich auch außergerichtliche Tätigkeiten wie die Abfassung von Schriftsätzen oder die Vertretung bei Betreuungsangelegenheiten oder der Formulierung von Patienten- oder Vorsorgeverfügungen enthalten sind
  • Dass beim Streit um Kapitalanlagen in Wertpapieren und Beteiligungen der Versicherungsschutz sich auch auf risikobehaftete Anlagen wie Aktien ausdehnt. In vielen Fällen werden nur nicht spekulative Geldanlagen, beispielsweise Lebens- und Rentenversicherungen, geschützt.

Bestnoten für Familien- und Single-Rechtsschutz

Bei den Rechtsschutzversicherungen für Familien erhielten 22 der untersuchten 72 Tarife die Bestnote. Bei den Single-Versicherungen wurde 69 ausgewertet und 21 schnitten rundum positiv ab. Zu nennen wären für beide Bereiche beispielsweise ADVOCARD, Allianz, ARAG oder HUK-Coburg, ROLAND, VHV und Württembergische.

Glücklicher Mann dank Rechtsschutzversicherung

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13.07.2017 14:10
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