Plagiat: Was versteht man darunter?

Samstag, 12.08.2017

Das Plagiat bezeichnet den Diebstahl geistigen Eigentums. Texte, Bilder, Tonfolgen oder Ideen werden übernommen, ohne die fremde Autorenschaft deutlich zu machen. Das Werk eines anderen wird also widerrechtlich und meist zum eigenen Vorteil als das eigene ausgegeben.

Plagiatoren verstoßen gegen geltendes Recht, vor allem gegen das Urheber- und Patentrecht sowie gegen das gewerbliche Schutzrecht von Design. Häufig werden im konkreten Plagiatsfall weitere Regeln gebrochen, zum Beispiel die Prüfungsordnung einer Hochschule.

Rechtlich gesehen ist es zunächst irrelevant, ob der Plagiator Kenntnis vom Original besitzt. Aus gesellschaftlichem Blickwinkel wird jedoch kein Vorwurf an den Plagiator ergehen, wenn er das Werk ohne Wissen kopiert hat. Die meisten Plagiate entstehen ohnehin in vollem Bewusstsein der Tat, nur am notwendigen Unrechtsbewusstsein mangelt es eben. Gerade bei „früh-wissenschaftlichen“ Arbeiten handelt es sich aber auch oft um simple Schlamperei, wenn Passagen aus fremden Werken nicht als Zitat gekennzeichnet werden.

Wo beginnt das Plagiat?  

Der Satz „Wo beginnt das Plagiat?“ wird wahrscheinlich nicht zum ersten Mal verwendet. Eine Kennzeichnung ist dennoch nicht erforderlich. Paragraph 2 des Urheberrechtsgesetzes spricht von „persönlichen geistigen Schöpfungen“, die vom Urheberrecht geschützt werden.  Alltagsformulierungen wie die Überschrift dieses Absatzes erfüllen diesen Anspruch nicht. Sie, ich und jeder andere darf sie verwenden, denn die Eigenleistung daran ist gering.

Um die Frage der Verwendung selbst geht es bei Plagiaten ohnehin nur selten. Die fehlende Kennzeichnung ist es, die ein Zitat zum Plagiat macht. Allerdings sind im Rahmen des Urheberrechts auch dem Zitat Grenzen gesetzt, sowohl bei der Länge als auch bei der Einbindung in einen neuen Kontext. Wer einen Roman in Anführungszeichen setzt und den Autor nennt, wird dennoch Probleme beim Verlegen bekommen. Auch die Übernahme kurzer Passagen ohne Kontext kann problematisch sein.

Das Erkennen eines Plagiats

Wer diesen Text in Gänze oder in Absätzen kopiert und als eigenes Werk zum Beispiel auf seiner Homepage veröffentlicht, muss mit einem Schreiben vom Anwalt rechnen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist sogar relativ hoch, da das Netz pausenlos mit Software-Lösungen gescannt wird, die das unerlaubte Duplikat schnell entdecken. Gutes Geld für die Anwaltskanzlei.

Weit schwieriger ist die Sache beim Vorwurf des Ideen-Diebstahls. Hat der Autor in seinem Roman den Grundgedanken einer anderen Geschichte übernommen? Ist er zu dicht dran, hätte er Rechte erwerben müssen oder muss nun zumindest seinen Erlös teilen? Richter, die dies im konkreten Fall beurteilen müssen, sind oft nicht zu beneiden.

Ein umstrittener Sonderfall ist das Eigenplagiat. Hier hat ein Autor vielleicht mit 20 Jahren einen (letzten) grandiosen Gedanken zu Papier gebracht, den er danach immer wieder als neu verkauft. Er langweilt damit auf Dauer, aber bricht er auch geltendes Recht? Kann man sich selbst bestehlen oder nur in die eigene Tasche lügen?

Strafen für ein Plagiat

Wer sich beim Plagiieren erwischen lässt, muss womöglich tief in diese Tasche greifen. Selbst die Hochschulgesetze sehen neben dem Ausschluss von der Uni Geldstrafen bis 50.000 Euro vor (die allerdings nie eingefordert werden). Geht es um den Klau einer bekannten Melodie, wie zum Beispiel beim Hit „Blurred Lines“, wird eher über Millionen geredet – rund sieben Millionen Euro waren es in diesem Fall, die das Duo Pharrell Williams und Robin Thicke berappen musste.

Von Plagiaten wird auch im Zusammenhang mit gefälschten Produkten, zum Beispiel Uhren oder Kleidung gesprochen. Dies ist berechtigt, zumal jedem Originalprodukt eine umfangreiche Entwicklungsarbeit vorausgeht, inklusive Ideen-Findung, Patenten und Design. Nicht zufällig ist der Zoll auf vielen Messen Dauergast, um Plagiatoren zu bestrafen. Das lohnt.   

Verbrecher mit Denkblasen

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12.08.2017 11:25
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