Muss man Fortbildungskosten zurückzahlen?

Dienstag, 05.09.2017

Zahlt der Arbeitgeber für einen Angestellten die Kosten einer Fortbildung, kann er diese unter Umständen wieder zurückfordern. Erste Voraussetzung ist eine entsprechende Rückzahlungsklausel im Arbeitsvertrag oder in den Betriebsvereinbarungen. 

Auch mit einer Rückzahlungsklausel, die klar und verständlich formuliert sein muss, gelten strenge Regeln, damit die Forderung des Arbeitgebers Bestand hat.

Wann fordert ein Arbeitgeber die Rückzahlung?

Die Rückforderung erfolgt meist bei einem vorzeitigen Ausscheiden des Arbeitnehmers aus seinem Vertrag. Möglich ist aber auch, dass das Ausbildungsziel verfehlt wird und der Arbeitgeber so seine Investition verlieren würde. Er fordert sie daher zurück, darf dies allerdings nicht

  • einseitig und ohne Angabe von Gründen tun
  • aufgrund einer unverschuldeten Erkrankung des Arbeitnehmers
  • wenn die Schuld über die gescheiterte Ausbildung nicht beim Arbeitnehmer liegt
  • wenn bereits der Vertrag unverhältnismäßig war, also zum Beispiel eine zu lange Bindung vorsah

Was sind Fortbildungskosten?

Neben den Kosten für den Lehrgang selbst können dem Arbeitgeber weitere Kosten entstehen, die er geltend machen will. Das sind:

  • Kosten für die Gehaltsfortzahlung während der Fortbildung
  • Fahrt- und Übernachtungskosten
  • Kosten für Lehrmittel

Anforderungen für eine gültige Rückzahlungsklausel

Investiert der Arbeitgeber in die Ausbildung eines Mitarbeiters, wird meist ein bestimmter Zeitrahmen vereinbart, in dem der Arbeitnehmer an das Unternehmen gebunden bleibt. So soll sichergestellt werden, dass der Arbeitgeber von seiner Investition profitiert. Üblich ist ein Zeitrahmen von bis zu fünf Jahren, abhängig von der Ausbildungsdauer und den Kosten. 

Damit keine unzumutbare Benachteiligung des Arbeitnehmers erfolgt, können folgende Richtwerte für eine Bindung angenommen werden:

  • Ausbildungszeit mehr als zwei Jahre: Firmen-Bindung bis zu fünf Jahre
  • Ausbildungszeit bis zu einem Jahr: Firmen-Bindung bis zu drei Jahre
  • Ausbildungszeit bis zu vier Monate: Firmen-Bindung bis zu zwei Jahre
  • Ausbildungszeit zwei Monate: Firmen-Bindung ein Jahr
  • Ausbildungszeit ein Monat: Firmen-Bindung sechs Monate

War die Ausbildung sehr kostspielig, kann sich die Frist auch weiter erhöhen.

Muss der Arbeitnehmer die Ausbildungskosten nach einer Kündigung zurückzahlen, erfolgt dies meist anteilig. Je länger die Bindungsphase noch andauert, desto höher ist der zu erstattende Betrag.

Fortbildung in einem Konferenzraum

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