Lenßens Tipp: Was passiert, wenn man auf eBay-Kleinanzeigen um den Preis pokert?

Sonntag, 06.03.2016 Ingo Lenßen

„Gestern fand ich auf eBay-Kleinanzeigen ein Angebot über einen Satz Winterreifen. Ich bot dem Verkäufer an, die Reifen für 110 Euro abzunehmen. Weil das dem Anbieter zu wenig war, schickte er mir kurz danach ein Gegenangebot über 150 Euro. Darauf antwortete ich nicht mehr. Heute Morgen wollte der Verkäufer dann doch noch das Geschäft für 110 Euro abwickeln. Ich habe ihm darauf erklärt, dass ich die Reifen inzwischen anderswo gekauft habe. Jetzt droht er mit seinem Anwalt! Muss ich wirklich zahlen?“

Nein, müssen Sie nicht. Denn den Kaufpreis für eine Ware müssen Sie nur dann bezahlen, wenn Sie auch etwas gekauft haben. Und das ist nur dann der Fall, wenn man ein eindeutiges Kauf- oder Verkaufsangebot abgibt und der andere dieses unverändert annimmt. Wenn der allerdings um den Preis pokert und stattdessen ein Gegenangebot abgibt, verfallen alle anderen Angebote automatisch und sind nicht mehr verbindlich.

Also:

Da der Verkäufer Ihren ursprünglichen Vorschlag nicht angenommen sondern verändert hat, müssen Sie die Reifen auch nicht für 110 Euro abnehmen. Nur wenn Sie den Gegenvorschlag des Verkäufers über 150 Euro ausdrücklich akzeptiert hätten, wäre ein Vertrag geschlossen worden. Das war aber nicht der Fall. Somit ist die Sache für Sie erledigt. 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

§§ 146, 150 Abs. 2 BGB

Ebay

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