Lenßens Tipp: Wer haftet, wenn ich in der Motorrad-Fahrstunde einen Unfall baue?

Montag, 13.06.2016 Ingo Lenßen

„Ich hatte mich endlich durchgerungen, einen Motorrad-Führerschein zu machen. Und schon nach ein paar Übungen abseits der öffentlichen Straße schickte mich mein Fahrlehrer mit der Maschine in den Verkehr. Also natürlich mit Funkgerät ausgestattet – und er auf einer zweiten Maschine immer hinterher. Aber ich muss zugeben: Sicher fühlte ich mich noch nicht. Und dann ist es passiert: ich habe beim Anfahren zu viel Gas gegeben. Dabei bin ich gestürzt und habe mich verletzt. Muss der Fahrlehrer mir jetzt Schmerzensgeld zahlen und mir meinen Verdienstausfall ersetzen?“

Unter Umständen muss er das tatsächlich! Nämlich dann, wenn er schuldhaft seine sogenannten „Obhuts- und Schutzpflichten“ vernachlässigt hat. Was bedeutet das? Nun, der Fahrlehrer darf einen Fahrschüler erst dann mit der Maschine in den öffentlichen Verkehr lassen, wenn er sicher ist, dass der Fahrschüler mit dem Ding sicher umgehen kann – also Aktionen wie ausweichen, bremsen usw. ebenso sicher beherrscht wie die Bedienelemente des Motorrades. Ist das noch nicht der Fall, muss der Fahrlehrer mit dem Ausbildungsprogramm notfalls einen Schritt zurückgehen, bis die Übungen zuverlässig klappen. 

Die besondere Pflicht des Fahrlehrers

In einem ähnlichen Fall  ließ der Fahrlehrer seinen Schüler bereits nach der dritten Doppelstunde eine Überlandfahrt machen. Durch einen Bedienungsfehler geriet der Schüler in den Gegenverkehr und verletze sich schwer. Er konnte darauf Schmerzensgeld und Schadensersatz vor Gericht durchsetzen. Denn anders als bei einer Pkw-Fahrstunde hat der Fahrlehrer bei der Motorradausbildung keine Möglichkeit, korrigierend einzugreifen. 

Uneingeschränkte Haftung für Unfallfolgen

Aus dem anschließenden Gerichtsverfahren sollten wir uns also zwei Dinge merken: Erstens muss der Fahrlehrer darauf achten, dass er seinen Schüler nicht überfordert. Und zweitens darf er ihn erst nach gründlicher Vorbereitung auf die Öffentlichkeit loslassen. Unterlässt er das, handelt der Fahrlehrer pflichtwidrig und haftet für alle etwaigen Unfallfolgen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht Schleswig, Urteil vom 11.03.2016 – 17 U 112/14

Haftung gemäß §§ 280, 611, 253 BGB

Fahrschule mit Auto und Motorrad

Weitere Artikel

article
6559
Lenßens Tipp: Haftung bei Unfall während Fahrstunde
„Ich hatte mich endlich durchgerungen, einen Motorrad-Führerschein zu machen. Und schon nach ein paar Übungen abseits der öffentlichen Straße schickte m...
/news/ratgeber/lenssens-tipp-haftung-bei-unfall-waehrend-fahrstunde
13.06.2016 17:15
http://www.advopedia.de/var/advopedia/storage/images/media/images/motorrad-fahrschule-getty_images-editorial-use-only/128111-1-ger-DE/motorrad-fahrschule-getty_images-editorial-use-only_contentgrid.jpg
Ratgeber

Kommentare