Ist Arbeiten trotz Krankschreibung erlaubt?

Donnerstag, 13.04.2017

Wer krank ist, gehört ins Bett und nicht an den Arbeitsplatz. Geht es allerdings allein um die Krankschreibung, sieht das anders aus. Fühlen Sie sich fit genug, spricht trotz des ärztlichen Attests nichts gegen den Gang in den Betrieb oder ins Büro. Im Gegenteil.

Viele Arbeitnehmer sehen die Krankschreibung als eine Art „Arbeitsverbot“. Das ist aber nicht der Fall, denn die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung des Arztes stellt lediglich eine Art Prognose dar. Verläuft die Genesung schneller als erwartet, sind Sie zur Wiederaufnahme Ihrer Tätigkeit berechtigt und verpflichtet. 

Müssen Sie sich wieder arbeitsfähig schreiben lassen?

Eine „Gesundschreibung“ im strengen Sinne gibt es nicht. Wenn Sie sich wieder arbeitsfähig fühlen, können Sie also ohne den Umweg über die Arztpraxis wieder an Ihren Arbeitsort zurückkehren.

Heikel wird es, wenn Ihr Arbeitgeber dessen ungeachtet Zweifel an Ihrem Gesundheitszustand hat. Aufgrund seiner Fürsorgepflicht, für Sie und auch für Ihre Kollegen, kann er verfügen, dass Sie noch nicht wieder arbeiten dürfen. Auch die Einschaltung des Betriebsarztes ist möglich. Der Arzt kann im Zweifelsfall bescheinigen, dass Sie wieder an Deck sind und niemanden gefährden.

Zu einer ärztlichen Prüfung verpflichtet ist Ihr Arbeitgeber nicht. Versichern Sie selbst, wieder gesund zu sein, und liegen keine offensichtlichen Symptome einer Erkrankung vor, darf sich der Vorgesetzte auf Ihre Aussage verlassen.

Hinweis: Von Ihnen kann nicht verlangt werden, dass Sie sich zur konkreten Diagnose äußern. Die Information über die bestehende Krankschreibung selbst muss aber beim Arbeitgeber vorliegen.

Wem müssen Sie die Wiederaufnahme der Arbeit melden?

Bei einer mehrwöchigen Krankschreibung ist eine Meldung bei Ihrer Krankenkasse erforderlich, wenn Sie die Arbeit vorzeitig wiederaufnehmen. Das hat vor allem finanzielle Gründe: Während in den ersten sechs Wochen Ihrer Erkrankung der Arbeitgeber ganz normal weiter Gehalt zahlt, übernimmt dies danach die Krankenkasse. Dieses Krankengeld entfällt jedoch, wenn Sie wieder arbeiten gehen. Bereits ausgezahlte Beträge müssen gegebenenfalls zurückgezahlt werden.

Welche Einschränkungen gibt es beim Versicherungsschutz?  

Die Arbeit trotz Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hat keinen Einfluss auf die Versicherungsleistung – weder bei der Kranken- noch bei der Unfallversicherung. Sie sind weiterhin voll versichert.

Um spätere Streitfälle zu vermeiden, ist allerdings in mehrfacher Hinsicht Vorsicht geboten: Zum einen sollten Sie sich sicher sein, dass Sie tatsächlich genesen sind. Kommt es aus denselben Gründen, die zur Krankschreibung geführt haben, während der vorzeitigen Arbeit zu einem Unfall, kann dies zum Streit mit der Versicherung führen. Davon ist im Zweifelsfall auch Ihr Arbeitgeber betroffen, wenn er das Risiko hätte erkennen können. Plakatives Beispiel: Lässt Sie Ihr Vorgesetzter trotz Krankschreibung mit einem eingegipsten Arm ans Montageband, kann Ihre Versicherung im Falle eines Unfalls die Haftung ablehnen. 

Ähnlich ist es auch, wenn Sie nur für eine „Stippvisite“ im Büro vorbeischauen, also zum Beispiel mit einem gebrochenen Bein an einem wichtigen Meeting teilnehmen wollen und auf dem Weg dahin etwas passiert. Hier sollte vorher über Absprachen mit dem Arbeitgeber geklärt werden, dass es sich tatsächlich um einen Arbeitsweg handelt, auf dem Sie dann auch versichert sind.

Kranker Mann am Schreibtisch

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