Hilfe Kurzarbeit! Was darf der Arbeitgeber?

Dienstag, 09.05.2017

Kurzarbeit ermöglicht es dem Arbeitgeber, die Arbeitszeit aller oder einiger Mitarbeiter zu kürzen und so Personalkosten zu sparen. Ziel ist es, bei einer temporären Schieflage im Unternehmen Kündigungen zu vermeiden. Die Anordnung von Kurzarbeit hebelt das Prinzip aus, dass der Arbeitgeber die Risiken eines Arbeitsausfalls trägt. Sie ist daher an strenge Auflagen geknüpft.

2009 gab es in Deutschland mehr als 1,1 Million Kurzarbeiter, 2016 waren es kaum 90.000. Die Zahlen spiegeln die jeweilige wirtschaftliche Lage im Land gut wider und bedeuten zugleich: Das Instrument der Kurzarbeit hat eine Berechtigung, um kurzfristige Engpässe zu überbrücken. Die Arbeitnehmer behalten so ihren Job und die soziale Absicherung, der Unternehmer das Knowhow der Belegschaft. Die Gefahr eines Missbrauchs ist jedoch hoch, da bei Kurzarbeit die Arbeitsagentur einen Teil der Kosten trägt (Kurzarbeitergeld) – für Unternehmer ein lukratives Geschäft.

Wann darf Kurzarbeit beantragt werden?

Voraussetzung für Kurzarbeit und das damit verbundene Kurzarbeitergeld ist ein „erheblicher Arbeitsausfall“, der zum einen unvermeidbar war und zum anderen nur für begrenzte Zeit besteht. Bestes Beispiel ist die Saison-Kurzarbeit im witterungsabhängigen Baugewerbe.

Der Betriebsrat, sofern vorhanden, muss der Kurzarbeit zustimmen, noch bevor der Antrag bei der Bundesagentur für Arbeit eingereicht wird. Ebenfalls vorausgesetzt ist, dass der geltende Tarif- oder persönliche Arbeitsvertrag die Möglichkeit zur Kurzarbeit überhaupt vorsieht.

Wie lange darf Kurzarbeit dauern?

Kurzarbeit ist immer befristet, im Normalfall auf maximal 12 Monate. Sonderregelungen mit Bezug auf die Situation am Arbeitsmarkt ermöglichen es jedoch, die Kurzarbeit auf bis zu 24 Monate auszudehnen. Von dieser Regelung wird rege Gebrauch gemacht.

Darf der Arbeitgeber trotz Kurzarbeit länger arbeiten lassen?

Die Anordnung von Überstunden für Kurzarbeiter ist untersagt. Der Gesetzgeber geht anderenfalls davon aus, dass die Kurzarbeit vermeidbar gewesen wäre. Ausnahmen bestehen, zum Beispiel bei einem überraschenden Auftrag oder notwendigen Arbeiten bei einer Havarie.

Darf der Arbeitnehmer bei Kurzarbeit Urlaub verweigern?

Die Nichtgewährung von Urlaub aufgrund von Kurzarbeit ist unbegründet. Schließlich hilft die Abwesenheit potentiell, die Zeit fehlender Aufträge zu überbrücken. Auch das Urlaubsgeld muss vom Arbeitgeber in voller Höhe gezahlt werden.

Ob sich der Urlaubsanspruch durch Kurzarbeit automatisch verkürzt, ist zumindest umstritten. Der Europäische Gerichtshof hat einer Kürzung 2010 grundsätzlich zugestimmt, die notwendigen Voraussetzungen dafür aber nicht definiert.  

20170509_Kurzarbeit_Minerva Studio-iStock

Weitere Artikel

article
7392
Kurzarbeit ermöglicht es dem Arbeitgeber, die Arbeitszeit aller oder einiger Mitarbeiter zu kürzen und so Personalkosten zu sparen. Ziel ist es, bei ein...
/news/ratgeber/hilfe-kurzarbeit!-was-darf-der-arbeitgeber
09.05.2017 09:00
http://www.advopedia.de/var/advopedia/storage/images/media/images/20170509_kurzarbeit_minerva-studio-istock/143222-1-ger-DE/20170509_kurzarbeit_minerva-studio-istock_contentgrid.jpg
Ratgeber

Kommentare