Handy am Steuer: So ist die Gesetzeslage

Montag, 17.07.2017

60 Euro und ein Punkt in Flensburg – so viel kostet es, wenn man am Steuer telefoniert. Was aber ist wirklich verboten? Hier sind die Details.

500 Menschen sterben jedes Jahr auf Deutschlands Straßen, weil das Handy dem Fahrer wichtiger ist als der Verkehr. Das jedenfalls schätzt der Automobilclub „Mobil in Deutschland e.V.“ auf Basis seiner Erhebungen. Diese hatten 2016 ergeben, dass rund sieben Prozent aller Fahrer ohne Freisprecheinrichtung mit dem Smartphone hantieren. 

Unfallrisiko auf Höchstniveau

Dass das Unfallrisiko durch die verbotene Handynutzung steigt, ist unumstritten. Faktor sechs, zehn oder 20? Hier differieren die Angaben. Doch ein Vielfaches ist es in jedem Fall. Da jede Sekunde Handy-Blick Dutzende Meter "Blindflug" bedeutet, kann dies auch nicht verwundern.   

Strafen in Deutschland vergleichsweise gering

60 Euro und ein Punkt beim Kraftfahrtbundesamt? In Relation zur Gefährdung erscheint diese Strafe gering. Daran ändert auch nichts, dass Mehrfach-Sünder ihre Fahrerlaubnis für drei Monate abgeben müssen. Ohnehin ist die Gefahr erwischt zu werden gering, zumindest ohne Datenauswertung nach einem Unfall. Oder wann wurden Sie zuletzt bei der Fahrt kontrolliert?

Richtig teuer werden kann es aber trotzdem, allerdings erst wenn’s gekracht hat. Stellt sich nämlich heraus, dass Sie das Handy am Ohr hatten oder den Finger am Display – denn das SMS-Schreiben, Surfen oder Wegdrücken eines Anrufs ist ohne Handy-Halterung ebenso verboten wie das Telefonieren selbst – zahlt die Versicherung bei einem Verkehrsunfall womöglich nicht.

Strikt verboten oder uneingeschränkt erlaubt

Auf das Handy verzichten muss dennoch niemand, auch nicht hinter dem Steuer. Zum einen ist die Nutzung einer Freisprecheinrichtung während der Fahrt gesetzeskonform. Zum anderen ist die Handy-Bedienung immer dann erlaubt, wenn der Motor des Fahrzeugs ausgeschaltet ist. Das gilt nicht nur auf dem Parkplatz, sondern auch im Stau oder an der roten Ampel.

Ist der Motor eingeschaltet, ist dagegen schon das Halten des Handys ein Tabu. So hat das Oberlandesgericht in Hamm entschieden (Az. 1 RBs 170/16), dass das Drücken des Home Buttons auch dann einen Gesetzesverstoß darstellt, wenn das Smartphone gar nicht eingeschaltet ist. Und wenn das Telefon während der Fahrt in der Halterung steckt? Bedienung erlaubt, besagt das Gesetz. Wirklich stringent ist das nicht.  

Junge Frau mit Handy am Steuer

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17.07.2017 14:10
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