Grobe Fahrlässigkeit am Steuer: So leicht ist der Lappen weg

Sonntag, 26.03.2017

Wer sich im Straßenverkehr grob fahrlässig verhält, riskiert seinen Führerschein, den Versicherungsschutz und nicht zuletzt die Gesundheit von sich und anderen. Bei welchen Vergehen es wirklich kritisch wird, lesen Sie hier:

Wenn Sie sich betrunken hinters Steuer setzen, handeln Sie grob fahrlässig. Dabei muss man Ihnen noch gar nicht unterstellen, dass Sie andere schädigen wollten. Es genügt, dass Ihnen bewusst sein musste, welche Gefahr Sie mit einer Alkoholfahrt verursachen. Salopp könnte man sagen: Sie nehmen Schäden für andere wissentlich in Kauf. Ihr Handeln ist mehr als nur leichtsinnig, es ist eine grobe Fahrlässigkeit. Der sofortige Führerscheinentzug ist eine der logischen Konsequenzen daraus.

Wann handeln Sie grob fahrlässig?

Das Beispiel der Alkoholfahrt lässt sich auf viele weitere Fälle übertragen, bei denen Sie Ihre Sorgfaltspflicht als Fahrzeugführer in besonders schwerer Form verletzen. Auch ohne Rechtsexperte zu sein, finden sich schnell Praxisbeispiele. So können nicht nur Drogen zur Fahruntüchtigkeit führen, auch Schlafmangel oder körperliche Gebrechen sind triftige Gründe, um das Auto stehen zu lassen. Auch hier gilt: Selbst, wenn Sie die Folgen der Fahrt nicht genau kennen (können), so wissen Sie doch, dass eine Übermüdung oder Sehschwäche für das Fahren riskant ist. Dieses Risiko einzugehen, ist grob fahrlässig. Selbiges gilt auch für das Tippen einer SMS während der Fahrt oder für das Überfahren einer roten Ampel. Die Liste ließe sich fortsetzen. In vielen Fällen drohen bei solchen Vergehen hohe Geldstrafen und der Führerscheinentzug.

Was im konkreten Fall Fahrlässigkeit, grobe Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz ist, müssen im Zweifelsfall die Gerichte entscheiden. Gerade aufgrund der seit 2008 geltenden Einzelfallprüfung lassen sich hier kaum pauschale Aussagen treffen. So können vergleichbare Vergehen in einem Fall grob fahrlässig sein, im anderen jedoch noch nicht, weil sich die Lebenssituationen der Verursacher unterscheiden.

Die Folgen von grober Fahrlässigkeit

Die eigentlichen Folgen? Verkehrstote, Verletzte oder hohe Sachschäden. Es sind oft irreversible Eingriffe in das Leben anderer, die zu Leid führen. Auch Ihr eigenes Leben wird wahrscheinlich auf einen Schlag verändert. Es sind schreckliche Fälle – genauso unnötig wie alltäglich.

Die Schäden, um die es hier geht, sind im Vergleich geringer, können Sie aber dennoch empfindlich treffen. So führt grobe Fahrlässigkeit schnell dazu, dass Sie Ihren Versicherungsschutz (Vollkasko) verlieren. Geprüft wird im Einzelfall, eine prozentuale Absenkung der Versicherungsleistung sowie der Totalverlust. Teuer wird es in beiden Fällen.

Ob auch ein Fahrverbot droht oder der Führerschein entzogen wird, hängt am konkreten Delikt. Wer zum Beispiel wiederholt mit Alkohol am Steuer erwischt wird, muss mit einer lebenslangen Sperre rechnen. Wird der Promillewert von 1,1 überschritten, ist der Führerschein schon beim ersten Mal für viele Monate weg. Mindestens ebenso streng wird der Konsum von Drogen wie Cannabis geahndet. Hier liegt der Grenzwert zum Führerscheinentzug im Grunde schon beim reinen Besitz der Droge.

Was können Sie tun?

Kurze Antwort: Nicht betrunken fahren, das Handy beim Fahren vom Ohr lassen und wenn die Sonne blendet, lieber anhalten, als das Stoppschild zu überfahren. Das sind jedoch Banalitäten, die wenig helfen.  

Gegen den drohenden Verlust des Versicherungsschutzes helfen tatsächlich Vollkasko-Policen, die eine Zahlung auch bei grober Fahrlässigkeit garantieren. „Wir verzichten auf den Einwand der grob fahrlässigen Herbeiführung des Schadens“, heißt es dann meist. Der Satz kann nicht nur 1000 Euro, sondern auch viel Ärger sparen. Gerade weil die Grenzen von der leichten Unachtsamkeit bis zur groben Fahrlässigkeit fließend sind, steht hier oft Meinung gegen Meinung. Im Falle eines Schadens nicht mit der Versicherung streiten zu müssen, ist bestimmt ein paar Beitragseuro wert.

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