Gentechnik: Was ist erlaubt?

Sonntag, 20.08.2017

Die meisten Deutschen stehen der Gentechnik in Nahrungsmitteln skeptisch gegenüber. Rund 80 Prozent aller Verbraucher lehnen den Einsatz ab. Und wie sieht die Gesetzgebung dazu aus?

Die Verwendung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln wurde 2003 über zwei EU-Verordnungen neu geregelt. Damit besteht für gentechnisch veränderte Lebensmittel eine eingeschränkte Kennzeichnungspflicht, die auch in Deutschland gilt. Den Verordnungen übergeordnet ist das Gentechnikgesetz von 1990 (GenTG). Ziel ist es, Mensch und Umwelt vor den Gefahren der Gentechnik zu schützen, ohne die Forschung zu verhindern.

Ausbreitung gentechnisch veränderter Lebensmittel

Die Globalisierung macht vor dem Handel mit Lebensmitteln nicht Halt. Ein Blick auf die weltweiten Anbaufläche für gentechnisch veränderte Rohstoffe beweist: Der Bedarf wächst. Rund 180 Millionen Hektar waren 2015 mit gentechnisch veränderten Pflanzen bebaut. Die Hauptflächen liegen in Süd- und Nordamerika. In Deutschland ist der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zu kommerziellen Zwecken verboten. Die Einfuhr entsprechender Produkte ist jedoch möglich und gehört zum Alltag.

Vorschriften für den Handel in Deutschland

In deutschen Geschäften spielen gentechnisch veränderte Lebensmittel kaum eine Rolle. Wohl auch aufgrund der mangelnden Akzeptanz wird vielfach darauf verzichtet. Waren, bei denen Gentechnik eingesetzt wurde, müssen gekennzeichnet werden, zumindest wenn mehr als 0,9 Prozent der Lebensmittel-Bestandteile gentechnisch verändert wurden. Diese Kennzeichnungspflicht gilt auch für Gaststätten und Kantinen.

Bleibt der Anteil unter 0,9 Prozent, erfährt der Verbraucher nichts davon. Zudem gibt es weitere Ausnahmen, bei denen die Kennzeichnungspflicht nicht greift. Das gilt zum Beispiel für Nutztiere, denen gentechnisch veränderte Nahrung verabreicht wird. Allein die EU importiert pro Jahr rund 35 Millionen Tonnen gentechnisch veränderten Futtermais aus den USA. Produkte wie Fleisch und Milch dieser Tiere kommt also durchaus kennzeichnungsfrei in den Handel. Diese Produkte gelten jedoch bisher als unbedenklich.

Logo „Ohne Gentechnik“

Wer den Konsum gentechnisch veränderter Lebensmittel reduzieren will, kann Produkte mit dem Siegel „Ohne Gentechnik“ erwerben. Das Siegel garantiert, dass die verarbeiteten Tiere innerhalb einer bestimmten Frist (diese variiert je nach Tierart) nicht mit gentechnisch veränderten Futtermitteln ernährt wurden. Auch die Verabreichung von Vitaminen oder anderen Zusatzstoffen aus der Gentechnik ist untersagt. Die Behandlung mit gentechnisch veränderten Impfstoffen und Arzneimitteln wurde dagegen zugelassen.

Neben dem „Ohne Gentechnik“-Siegel besteht die Möglichkeit, bestimmte Produkte zu meiden. Wer auf regionale Produkte zurückgreift und zum Beispiel auf Soja-Öl aus Amerika verzichtet, minimiert das Risiko erheblich. Ein genereller Trend, bei Lebensmitteln auf Gentechnik zu verzichten, ist allerdings nicht abzusehen. Der Anteil in unserer Nahrung dürfte damit auch in Zukunft weiter wachsen.

Innerhalb der EU müssen gentechnisch veränderte Nahrungsmittel (auch Futtermittel) zunächst zugelassen werden. Die jeweilige Zulassung ist auf zehn Jahre begrenzt. So besteht ständig die Möglichkeit, auf veränderte Risikoeinschätzungen zu reagieren.

 

  

   

 

Mann im Schutzanzug an einem Gen-Maisfeld

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20.08.2017 11:25
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