Erbschaftssteuer: So nutzen Sie den Freibetrag und sparen Kosten

Mittwoch, 16.08.2017

Wer in Deutschland erbt, muss dafür Steuern zahlen. Allerdings wird die Erbschaftssteuer erst nach hohen Freibeträgen fällig. So können Sie die gesetzlichen Regelungen zu Ihrem Vorteil nutzen.

Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer sind im Erbschaftssteuergesetz (ErbStG), geregelt, das immer wieder Anlass zu Diskussionen gibt. Steuer-Gegner bemängeln, die Lebensleistung eines Verstorbenen werde geschmälert, wenn der Staat im Nachhinein den Besetz nochmals besteuert. Darauf entgegnen Steuer-Befürworter, das Erben stelle ohnehin eine ungerechtfertigte Begünstigung dar, denn die Erben erhielten oft Millionenwerte ohne eigene Leistung. In der Folge dieses Dauerdisputs werden die Regelungen zur Erbschaftssteuer von Zeit zu Zeit angepasst.

Die Einnahmen des Staates aus Erbschaftssteuern betragen derzeit jährlich rund 4,5 Milliarden Euro.

Erbschaftssteuer für Privatpersonen

Der Wert des vererbten Vermögens und der Verwandtschaftsgrad zum Erblasser bestimmen die Höhe der Erbschaftssteuern. Je weniger eng der Erblasser mit dem der Begünstigte verwandt, und je höher sein Anteil am Erbe ist, desto stärker wird er vom Fiskus zur Kasse gebeten. Dank üppiger Freibeträge müssen auf den Nachlass von Normalverdienern oft jedoch gar keine Erbschaftssteuern gezahlt werden.

Freibeträge im Überblick:

  • Ehegatten und Lebenspartner: 500.000 Euro
  • Kinder und Stiefkinder, im Todesfall deren Nachkommen: 400.000 Euro
  • Enkel: 200.000 Euro
  • Eltern im Erbfall: 100.000 Euro
  • Geschwister, Eltern im Fall der Schenkung und alle anderen Begünstigten: 20.000 Euro  

Bei hohen Vermögen lohnt es sich häufig, einen Teil des Vermögens bereits vorab, über eine Schenkung zu Lebzeiten weiterzugeben. Hier gelten eigene Freibeträge.

 Erbschaftssteuer nach Überschreitung der Freibeträge

Sieben bis maximal 30 Prozent Erbschaftsteuer sind nach Erreichen der Freibeträge in Steuerklasse I zu zahlen, die bis zu den „Eltern im Erbfall“ gilt. Die volle Höhe von 30 Prozent wird jedoch erst ab einem Vermögen von 26 Millionen Euro verlangt. Bis zu 600.000 Euro beträgt die Erbschaftssteuer 15 Prozent.

Wenn der Erblasser beispielsweise einen Freund der Familie begünstigt, werden nach dem Freibetrag sofort 30 Prozent an Erbschaftssteuer fällig. Der maximale Prozentsatz steigt hier bis auf 50 Prozent.

Erbteil wird besteuert

Nicht das gesamte Erbe, sondern der Anteil des Einzelnen am Vermögen wird versteuert. Alle genannten Regelungen beziehen sich jedoch nur auf privates Inlandsvermögen und auf  den Fall, dass Erbe und Erblasser in Deutschland ihren Wohnsitz haben. Für Betriebsvermögen und im Ausland gelten abweichende Gesetze.

Unabhängig vom Freibetrag der Erbschaftsteuer sind zahlreiche Güter von der Erbschaftssteuer ausgenommen. Befreit sind etwa die Gegenstände des Hausrats bis zu einer Summe von 41.000 Euro. Nicht besteuert wird zudem Besitz, der der Allgemeinheit dient und Geld, das nachweislich für wohltätige Zwecke verwendet wird.

Steuerfrei ist auch selbstgenutzter Wohnbesitz, wenn er dem Lebenspartner überlassen wird. Ziehen die Kinder nach dem Tod des Erblassers in die Räumlichkeiten ein, sind auch sie steuerbefreit. Allerdings gelten Auflagen, beispielsweise in Bezug auf die Größe der Wohnfläche.  

Wird der vererbte Wohnraum vermietet, kann die Erbschaftssteuer ebenfalls geringer ausfallen. Basis der Berechnung sind dann 90 Prozent des eigentlichen Wertes.

Abzüge von der Erbschaftssteuer

Die Höhe des Gesamtvermögens wird unter Anrechnung verschiedene Kosten und Verbindlichkeiten ermittelt. Abgezogen werden mögliche Schulden des Erblassers und sämtliche Kosten im Zusammenhang mit der Nachlassregelung.

Für den Lebenspartner des Verstorbenen und Kinder im Alter bis zum 27. Lebensjahr  können zudem Versorgungsfreibeträge angerechnet werden. Diese betragen für den Lebenspartner 256.000 Euro, die allerdings um mögliche Versorgungsbezüge gekürzt werden, wenn sie erst nach dem Tod des Partners gezahlt werden und nicht selbst erbschaftssteuerpflichtig sind.

Für die Kinder ist der Versorgungsfreibetrag nach Alter zwischen 20 und 27 Jahren gestaffelt. Bei kleinen Kindern bis zu fünf Jahren bleiben 52.000 Euro steuerfrei, bei Kindern zwischen 20 und 27 Jahren sind es noch 10.300 Euro.  

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