Erbfolge: Wie wird das Erbe geregelt und wer hat Rechte?

Montag, 17.07.2017

Die Verteilung des Erbes wird in Deutschland nicht allein durch den Willen des Erblassers bestimmt, sondern auch durch dessen verwandtschaftliche Beziehungen. Daran können, von extremen Ausnahmen abgesehen, weder Testament noch Erbvertrag etwas ändern: Die gesetzliche Erbfolge gilt. 

Gibt es Verwandte, werden mindestens 50 Prozent des Erbes über die gesetzliche Erbfolge verteilt. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Bei der Hälfte des Vermögens entscheidet der Erblasser nach persönlichem Gutdünken. Wie das funktioniert, lesen Sie hier.

Gesetzliche Erbfolge in Kürze:

Gibt es weder Testament noch Erbvertrag, erben die Kinder und der Ehepartner des Verstorbenen alles. Anderenfalls bleiben ihnen zusammen immer noch mindestens 50 Prozent, denn mehr darf der Erblasser aufgrund des Pflichtteils nicht an "fremde" Begünstigte vergeben. Sind keine Kinder vorhanden oder sind diese bereits verstorben, erben den Pflichtteil andere Verwandte in einer genau festgelegten Erbfolge, die in der 5. Ordnung bis zu entfernten Verwandten, also Ururgroßeltern und deren Abkömmlingen reicht.

Testamentarische Erbfolge    

  • Vom Pflichtanteil abgesehen hat der Erblasser freie Hand. Er muss allerdings einige Formalien beachten, damit der letzte Wille später auch gilt. Empfohlen wird, das Testament von einem Notar beglaubigen zu lassen, der zugleich beratend tätig werden kann. Zwingend ist das aber nicht.

Ohne Notar muss das Testament in jedem Fall handschriftlich verfasst sein. Denken Sie daran, dass nach Ihrem Tod eventuell über den Inhalt gestritten wird. Eindeutigkeit ist also wichtig. Dazu zählen auch Ort und Datum und die Bekundung, dass dies tatsächlich das aktuelle und allein gültige Testament ist.

Erbvertrag

Zu einem Vertrag gehören mindestens zwei. Im Gegensatz zum Testament kann der Erbvertrag also nicht alleine verfasst und nicht alleine geändert werden. Auch ein späteres Testament, das dem Erbvertrag widerspricht, wäre unwirksam.

Beim Abschluss eines Erbvertrages, der immer notariell erfolgt, ist daher Vorsicht geboten, gerade wenn sich die Lebensumstände noch ändern können. Stehen die Dinge unumstößlich fest, ist der Erbvertrag der sicherste Weg, dass es keine Fehldeutungen gibt.

Pflichtteil entziehen

Der Gesetzgeber lässt hier wenig Spielraum. Möglich ist der Entzug nur, wenn:

  • der Pflichtteilsberechtigte dem Erblasser oder einer ihm nahestehenden Person nach dem Leben trachtet,
  • er rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung verurteilt wurde,
  • er seine Unterhaltspflichten gegenüber dem Erblasser böswillig vernachlässigt oder ihn misshandelt hat.

Selbst diese Gründe können erlöschen, wenn der Erblasser dem Pflichtteilsberechtigen offensichtlich bereits verziehen hat.   

Testament mit Stift zur Unterzeichnung

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