Schwarzwälder Schinken aus Dänemark: Die Schlupflöcher der Lebensmittelindustrie

Sonntag, 03.09.2017

Not macht erfinderisch, Gier leider auch. Und so zählt die Verbrauchertäuschung zu den großen Spielwiesen der Lebensmittelindustrie – im legalen Bereich, wie sich versteht.

Anlasten kann man das den Konzernen allerdings nur bedingt. Schließlich sind sie den Aktionären verpflichtet und die Tricks kein „Food-Gate“. Mit den Kontrollgremien von EU und Bund könnte man da schon eher mal „ins Gericht gehen“. Vielleicht sind die gesetzlichen Schlupflöcher im Sinne des Verbraucherschutzes letztlich einfach zu groß?

Der Klassiker: Schwarzwälder Schinken aus Dänemark

Ein oft zitiertes Beispiel für diese Art der Verbrauchertäuschung ist der „Schwarzwälder Schinken“. Wer hier nämlich annimmt, die verarbeiten Schweine hätten ihr Leben im Schwarzwald verbracht, der irrt sich wahrscheinlich. Die Chance ist gering, denn das Fleisch stammt aus ganz Deutschland und der EU.

Tatsächlich behauptet hat allerdings auch niemand, dass die Schweine eine bestimmte Herkunft hätten. Der geschützte Begriff „Schwarzwälder Schinken“ beschreibt lediglich eine bestimmte Fertigung – die dann auch in der Region erfolgt und streng kontrolliert wird. Alles in Ordnung somit.   

Beispiele dieser Art ließen sich viele finden. Nehmen wir nur die frische Alpenmilch. Hier hat die Verbraucherzentrale Hamburg schon 2012 ermitteln, dass 78% aller Befragten davon ausgehen, dass die Kühe dieser Milch in den Alpen weiden. Jeder Zweite war sogar überzeugt, dass die Tiere an den Berghängen ihr Dasein genießen. Stallungen auf dem flachen Land hatten die wenigsten im Sinn. Nun, man kann sich ja mal irren.

So sieht die Rechtslage aus

Verbrauchertäuschung ist im Lebensmittelrecht ausdrücklich verboten. Viele Vorschriften sorgen dafür, dass wir nicht hinters Licht geführt werden. So darf man zum Beispiel Lebensmittel nicht in XXL-Verpackungen verkaufen, wenn der Inhalt nur S-Format besitzt. Und wenn etwas ohnehin verboten ist, darf der Hersteller die pure Einhaltung des Gesetzes nicht auch noch bewerben.

Lücken gibt’s dennoch genug, und da passt einiges durch. Schätzen Sie doch zum Beispiel mal, wie viel Champagner ein Champagnertörtchen enthält. So viel sei verraten: Sie sterben vielleicht am Zuckerschock, aber Ihre Fahrerlaubnis dürfen Sie garantiert behalten.   

Schwein in einem Verschlag

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03.09.2017 11:25
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