Der Pflichtteil im Erbrecht: Wie hoch ist er und wonach berechnet er sich?

Donnerstag, 27.07.2017

Verwandte,  Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner haben gemäß Erbrecht einen Mindestanspruch am Nachlass eines Verstorbenen. Wie hoch die jeweiligen Pflichtteile sind, richtet sich nach der gesetzliche Erbfolge.

Ohne Testament oder Erbvertrag erben Kinder, Ehepartner oder nahe Verwandte zusammen das gesamte Vermögen. Hat der Verstorbene durch seinen letzten Willen Erbberechtigte bevorzugt oder weitere Personen und Institutionen bedacht, sichert das Erbrecht allen erbberechtigten Angehörigen zumindest ihren Pflichtteil. Alle Pflichtteile zusammen ergeben mindestens 50 Prozent des vererbten Vermögens.

Wie hoch der Pflichtteil für jeden Einzelnen ist, berechnet sich nach der Zahl der Anspruchsberechtigten. Je mehr Erbberechtigte sich das Erbe teilen, desto mehr Pflichtteile gibt es und desto kleiner wird jeder Anteil.

Vererbt zum Beispiel ein lediger Erblasser einem seiner beiden Kinder per Testament alles, hat das andere Kind dennoch ein Anrecht auf seinen Pflichtteil. Das begünstigte Kind würde also 75 Prozent erhalten (Pflichtteil + Testament), das andere 25 Prozent.

Das Erbe wird nach festen Prozenten aufgeteilt

Die Pflichtteile werden prozentual ermittelt. Dabei geht es um den Verwandtschaftsgrad der Erbberechtigten und den Familienstand des Verstorbenen. Erbberechtigt sind zunächst die eigenen (auch adoptierten) Kinder, falls diese schon tot sind, deren Abkömmlinge.

War der Verstorbene ledig oder geschieden, teilen sich die Kinder oder deren Nachfahren das gesamte (Pflicht-) Erbe. Weitere Verwandte erhalten nichts. Gibt es nur ein Kind, erbt es alles. Bei drei Geschwistern erhält jedes ein Drittel der Summe. Lebt eines der Geschwister nicht mehr, geht sein Drittel gleichmäßig auf seine Kinder über, ansonsten deren Pflichtteil wiederum zu gleichen Teilen an alle von diesem Kind abstammenden Enkel oder Urenkel.

Verwandtschaftsgrad und Familienstand entscheiden

Wenn der Verstorbene verheiratet war, erhalten die eigenen Abkömmlinge nur eine Hälfte des Pflichterbes. Die andere Hälfte geht an den Ehe- oder eingetragenen Lebenspartner.

War die Ehe kinderlos oder sind alle Abkömmlinge verstorben, entscheidet der Güterstand über die Höhe des Pflichtteils für die Witwe/den Witwer. Bei Zugewinngemeinschaft erbt der überlebende Ehepartner 75 Prozent des Pflichterbes (oder ohne Testament 75 Prozent des gesamten Erbes), bei Gütertrennung beträgt der Anteil 50 Prozent. Der Rest geht an die Verwandtschaft, beginnend mit der zweiter Ordnung. Das sind zunächst die Eltern des Verstorbenen. Beide Elternteile erhalten je eine Hälfte des Verwandtschaftserbes, also bei Zugewinngemeinschaft jeder 12,5 Prozent oder bei Gütertrennung jeder 25 Prozent. Ist ein Elternteil tot, fällt sein Pflichtteil gleichmäßig an dessen Abkömmlinge. Das sind Geschwister des Toten, danach Neffen und Nichten. Sind die Eltern gestorben und keine Abkömmlinge vorhanden, ist die nächste Generation der Vorfahren erbberechtigt. Das sind die Großeltern und deren Abkömmlinge. Lebt von dieser Verwandtschaft auch niemand mehr, sind nach der gesetzlichen Erbfolge die Urgroßeltern und ihre Abkömmlinge an der Reihe, danach die Ururgroßeltern.

Gespräch über die Erbschaft

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