Autsch! So viel Schadensersatz gibt’s für verlorene Gliedmaßen

Samstag, 20.05.2017

Wie viel ist ein Finger wert? Und gibt’s für den Daumen mehr als für den Zeigefinger? So makaber diese Fragen auch klingen, für Unfallversicherer sind sie Tagesgeschäft. Und so gibt es tabellarische Richtwerte, die besagen, was für einen Wert ein Körperteil besitzt. Eine kleine Übersicht gefällig?

Ein Zeh ist verzichtbar. Beim Grad der Invalidität bringt er nur magere zwei Prozent. Macht also rund 2.000 Euro bei 100.000 Euro Versicherungssumme, kein lohnendes Geschäft.

Kommt die Große Zehe abhanden, sieht die Sache schon anders aus. Hier werden im üblichen Fall fünf Prozent Invalidität angesetzt. Das ist übrigens – ein Zufall – genau so viel wie bei einem kompletten Geschmacksverlust. Aber eine Wahl hat man in solchen Fällen leider nicht. Fällt einem der Betonklotz auf den Fuß, ist die Zehe weg. Eine Frage des Geschmacks ist das eher nicht.

Gliedertaxe – ein Ranking      

Im Fachjargon spricht man bei derlei Erwägungen von einer Gliedertaxe. Sie bestimmt, wie viele Prozentpunkte der Versicherer dem Geschädigten für seinen Verlust gewährt – wobei es Schwankungen zwischen den Anbietern geben kann. Wer schon immer Wert auf guten Geschmack gelegt hat, kann zum Beispiel auch sechs Prozent gewähren und den Zeh-Verlust noch billiger abtun.

Gewähren die Versicherer bei der Invalidität mehr als 50 Prozent, ist klar: Der Verlust ist gravierend. Dann ist die Sache ins Auge gegangen oder hat gleich den ganzen Arm oder das Bein gekostet. Hier eine kleine Liste, die uns von weiteren Beschreibungen entbindet – und zeigt, welche Abstufungen es gibt:

  • Arm im Schultergelenk: 70%
  • Arm bis oberhalb des Ellenbogens: 65%
  • Arm unterhalb des Ellenbogens: 60%
  • Hand im Handgelenk: 55%
  • Bein über der Oberschenkelmitte: 70%
  • Bein bis zur Oberschenkelmitte: 60%
  • Bein unterhalb des Knies: 50%
  • Auge: 50%

Weniger Geld: Die Sache mit der realen Einschränkung

Während der Invaliditätsgrad bei einem Verlust von Gliedmaßen relativ klar geregelt ist, setzen andere körperliche Schäden oft ein ärztliches Gutachten voraus. Der Verlust des Geruchssinns (10%) oder der einseitige Verlust des Gehörs (30%) lässt sich halt schwieriger erkennen als ein fehlender Arm.

Gerade bei Wirbelsäulenverletzungen wird geschaut, welche Bewegungseinschränkungen tatsächlich dauerhaft bestehen. Wer vom Hals abwärts gelähmt ist, wird zu 100% invalide geschrieben.

Notwendig ist das Gutachten aber noch aus einem weiteren Grund. Besteht kein Verlust, sondern eine Einschränkung, stellt sich unweigerlich die Frage: Wie stark wird der Betroffene tatsächlich behindert? Diese „Gebrauchsminderung“ schlägt sich dann in Zahlen nieder, drückt also im Zweifelsfall die Auszahlung. Wird zum Beispiel ein Bein zunächst mit maximal 70% bewertet, kann die reale Einschränkung der Funktion dennoch nur 25% betragen. Heißt: von 100.000 Euro Versicherungssumme stehen zwar 70.000 zur Diskussion, die dann aber geviertelt werden. Zur Auszahlung kommen somit 17.500 Euro.

Finger einer Hand

Gut vorstellbar wird die etwas makabre Prozent-Abstufung bei Invalidität am Beispiel der Hand. Versuchen Sie mal, eine Weile auf die Nutzung Ihrer Daumen zu verzichten. Die Einschränkung ist enorm, denn das Greifen von Gegenständen kaum noch möglich. Den Verlust des Ringfingers wird man dagegen mit etwas Übung verkraften. An der prozentualen Abstufung der Invalidität lässt sich das einmal mehr ablesen:

  • Einer der Daumen: 20%
  • Ein Zeigefinger: 10%
  • Ein anderer Finger: 5%

Sind mehrere Finger oder auch andere Körperteile betroffen, addieren sich die Prozente. Der Logik folgend können dabei aber maximal 100 Prozent erreicht werden.

Wann greift die Unfallversicherung überhaupt? 

Bei Unfallversicherungen ist der Name Programm. Es braucht daher einen Unfall, ein plötzliches äußeres Ereignis, damit die Police zum Tragen kommt. Geht der Verlust der Hand dagegen auf eine Erkrankung zurück, zahlt die Unfallversicherung nicht.

Grundsätzlich schließt die private Unfallversicherung die Leistungslücken der gesetzlichen Versicherer. Diese zahlen nämlich nur, wenn es sich um einen Arbeitsunfall handelt. Das kann übrigens dazu führen, dass sich der Arbeitsunfall finanziell richtig lohnt: Hier müssen in vielen Fällen beide Versicherungen den vollen Betrag ausschütten.   

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Die Gliedertaxe besagt, was für einen Wert ein Körperteil besitzt. Einen kleinen Einblick gefällig?
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20.05.2017 10:00
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